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So können wir nachhaltig Fisch essen
Biologie

So können wir nachhaltig Fisch essen

Fisch gilt als gesundes Lebensmittel: Er liefert hochwertiges Eiweiß, wertvolle Omega-3-Fettsäuren sowie wichtige Mineralstoffe. Doch der Appetit auf Lachs, Hering oder Garnelen hat seinen Preis. Überfischung, zerstörerische Fangmethoden und Umweltbelastungen setzen den Meeren weltweit zu. Welcher Fisch lässt sich…
Autor
Sirona Schönfeldt
22. Januar 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Biologie

Rund 34 Prozent der globalen Fischbestände gelten als überfischt, weitere 60 Prozent werden vom Menschen bis an ihre biologischen Grenzen genutzt. Nur etwa sechs Prozent der Bestände befinden sich noch in einem naturnahen, guten Zustand. Viele Fischpopulationen schrumpfen inzwischen so stark, dass sie sich kaum noch erholen können. Zwar sinkt bereits seit Mitte der 1990er-Jahre die Menge an weltweit gefangenem Wildfisch kontinuierlich. Um die Nachfrage nach Speisefisch zu decken, wächst seither die Bedeutung von Aquakulturen. Doch auch diese sind nicht automatisch nachhaltig.

Kennzeichnungspflicht für Fisch

Für frischen Fisch gilt in Deutschland eine Kennzeichnungspflicht. Sie betrifft Frischfische, Räucherfische, Krebs- und Weichtiere sowie bearbeitete Tiefkühl-Fischerzeugnisse. Dabei sind drei Angaben verpflichtend: die Fischart, das Fanggebiet und die Fangmethode. Die Welternährungsorganisation FAO teilt die Weltmeere in 19 Fanggebiete ein, die auf dem Etikett als Name oder Nummer erscheinen. So bezeichnet etwa das Fanggebiet 27 den Nordostatlantik zu dem beispielsweise auch die Nord- und Ostsee gehören.

Bei Zuchtfisch muss angegeben werden, dass er „aus Aquakultur“ stammt sowie das Land, in dem die Tiere ihre letzte Entwicklungsphase durchlaufen haben. Für Fisch aus Seen oder Flüssen gilt die Kennzeichnung „aus Binnenfischerei“. Allerdings: Verarbeitete und zubereitete Produkte wie Fischsuppen, Fischbuletten oder Heringssalat sind von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen. Auch in der Gastronomie fehlen Herkunftsangaben meist vollständig.

Die im Handel angegebenen Informationen zeigen auch nicht, wie es einem Fischbestand tatsächlich geht. „Viele Menschen wissen nicht, wie unterschiedlich sich einzelne Fischbestände entwickeln können“, erklärt Kristina Barz vom Thünen-Institut. „Denn verschiedene Fischbestände einer Art können in unterschiedlichem Zustand sein. So ist beispielsweise der Kabeljau rund um Island in einem guten Zustand, während es dem Dorsch in der Ostsee (so heißt der Kabeljau dort) nicht gut geht.“

Foto von lebenden Rotlachsen im Wasser
Rotlachs aus Alaska steht auf der „Guter Fisch“-Liste. © Ovasik/iStock

Die „Guter Fisch“-Liste

Da Fischratgeber in Deutschland teils zu unterschiedlichen Bewertungen hinsichtlich der Nachhaltigkeit von Fisch kommen, haben Umweltorganisationen, Wissenschaftler und Verbraucherzentralen gemeinsam die Empfehlung „Guter Fisch“ entwickelt. Die Liste wird jährlich aktualisiert und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Auf der Liste stehen unter anderem Flunder und Scholle aus der Ostsee (FAO 27.3), Seelachs aus der Barentsee (FAO 27.1/27.2), echter Bonito (global), Keta- und Rotlachs aus Alaska (FAO 67) sowie Hering aus dem Golf von Riga (FAO 27.3).

Als „guter Fisch“ gelten Bestände, deren Größe stabil über dem für eine nachhaltige Nutzung notwendigen Mindestwert liegt und die nicht stärker befischt werden, als es langfristig verkraftbar ist. Die gefangenen Tiere sollten überwiegend ausgewachsen sein und ihre Fortpflanzung bereits erreicht haben. Zudem müssen ausreichend Fische verfügbar sein, die mit schonenden Fangmethoden gefangen werden, welche Beifang minimieren und Umwelt sowie Bestandsstruktur möglichst wenig beeinträchtigen.

Nicht alle Gütesiegel sind verlässlich

Neben der „Guter Fisch“-Liste bieten auch verschiedene Gütesiegel den Käufern eine Orientierung, indem sie nachhaltigen Fisch kennzeichnen. Das wohl bekannteste Siegel unter ihnen ist das des Marine Stewardship Council – kurz MSC. Verbraucherschützer und Umweltorganisationen kritisieren das MSC-Siegel jedoch. „[…] Das Label [ist] nicht unumstritten, unter anderem deshalb, weil die Standards zu schwach und unklar formuliert sind und diese für eine Zertifizierung nur zu 60 bis 80 Prozent erfüllt werden müssen“, berichtet die Verbraucherzentrale. „Dadurch ist es laut Greenpeace möglich, dass MSC-zertifizierte Fischereien ungesunde und ausgezehrte Bestände befischen und bedrohte Arten gefährden. Der NABU kritisiert, dass schädliche Fanggeräte, Meeresschutzgebiete und soziale Aspekte bei der Vergabe des Siegels nicht genug berücksichtigt werden.“

Statt dem MSC-Siegel für Wildfisch und dem ASC-Siegel für Aquakulturen empfiehlt die Verbraucherzentrale daher das Naturland-Siegel für Wildfisch und Aquakulturen, sowie das EU-Biosiegel und GAA-BAP für Aquakulturen.

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