Text: Bettina Wurche
Mit Einbruch der kalten Jahreszeit wächst den arktischen Füchsen ein plüschiges, weißes Winterfell: Lang und dicht wärmt es die Polarfüchse bei bis zu 70 Minusgraden, die in Norwegen, Schweden und Finnland manchmal herrschen. Die hellen Füchse laufen perfekt getarnt auf ihren breiten Pfoten über
geschlossene Schneedecken und tauchen bei der Jagd per Kopfsprung hinein. Der kompakte Körperbau und kurze runde Ohren verringern den Wärmeverlust. Den buschigen Schwanz nutzen sie in eisigen Stürmen als zusätzliche wärmende Decke.
Doch so nützlich das prachtvolle Winterfell ist, wurde es den kleinen Arktis-Füchsen zum Verhängnis: „Seit etwa 1850 wurden sie stark bejagt“, erklärt Nina E. Eide vom Norwegian Institute for Nature Research (NINA). „Die
Jäger kannten die Fuchsbauten, nahmen die Welpen mit, zogen sie auf, töteten sie dann im Herbst oder Winter und verkauften das Fell“, berichtet Eide. Im unwirtlichen Norden war die Pelzjagd eine wichtige Einkommensquelle und brachte hohe Gewinne. Für die Vorkommen in Skandinavien war das fast das Ende. „Obwohl Vulpes lagopus um 1930 in Norwegen und Schweden und um 1940 in Finnland unter Schutz gestellt wurde, haben sich ihre Bestände nicht erholt“, berichtet Kristine R. Ulvund, die gemeinsam mit Craig Jackson das Nachzuchtprogramm bei NINA leitet. Der Polarfuchsbestand ist durch die Jagd so fragmentiert, dass die Populationen sich nicht durchmischen. Sie sind genetisch wenig divers und die Inzucht führt dazu, dass weniger Nachkommen geboren werden und die Füchse früher sterben.
Außerdem macht der Klimawandel den Füchsen zu schaffen. Zum einen verringert er ihre wichtigste Beute – Lemminge. Zum anderen ermöglicht er es dem größeren Rotfuchs in einst kältere Gebiete einzudringen. Dort verdrängt er seine weißen Verwandten und frisst teilweise auch die Polarfuchs-Welpen. Und: Menschen, die in den letzten Jahrzehnten mit Straßen, Stromleitungen, Ferienhütten und Freizeitaktivitäten immer tiefer in die Habitate der scheuen Polarfüchse eindringen, machen den Tieren ebenfalls zu schaffen.
So brachte eine Bestandsaufnahme 2000 für Skandinavien nur noch 40 bis 60 erwachsene Polarfüchse, berichtet Craig Jackson. Polarfüchse galten entsprechend in Finnland als „ausgestorben“ (extinct), in Schweden als „bedroht“ (endangered) und in Norwegen als „vom Aussterben bedroht“ (critically endangered. Dank des NINA-
Artenschutzprogramms haben sich die Bestände jedoch etwas erholt und Polarfüchse werden in Norwegen seit 2021 in der geringeren Schutzkategorie bedroht geführt.
Um die nordischen Charaktertiere vor dem Aussterben zu retten, legte Norwegen ein Forschungs- und Schutzprogramm und seit 2005 ein Nachzuchtprogramm auf. Jackson beschreibt die Arbeit in der Aufzuchtstation Sæterfjellet in der Nähe von Oppdal (Norwegen) scherzhaft als „Tinder für Füchse“. Die acht großen Freigehege der Zuchtpaare entsprechen der natürlichen Umgebung der Polarfüchse, doch sie bekommen reichlich Futter und sind geschützt vor Umweltgefahren, erzählt Jackson. Allerdings haben sie auch dort nicht jedes Jahr Welpen und nicht alle überleben. Zum Auswildern werden die gechippten jungen Füchse bei Wintereinbruch in Transportkisten per Schneemobil in ihre neue Heimat gefahren – seit 2006 waren es 519.





