Text: Roman Goergen
Als sich Richard Major eines Morgens im australischen Sydney auf den Weg zum Bahnhof macht, sieht der Ornithologe vom Australian Museum eine Szene, die seine berufliche Neugier weckt: Ein Gelbhaubenkakadu ist damit beschäftigt, an den Inhalt einer Mülltonne heranzukommen. Der Papagei sitzt oben auf der schmalen Kunststoffkante. Er zupft am Abfallbehälter. Zunächst bewegt sich kaum etwas, doch dann schiebt der Vogel seinen Schnabel unter den Deckel und hebt ihn an. Erst nur ein Stückchen, dann immer weiter, während er ihn festhält und seitlich am Rand der Tonne entlangläuft. Als der Deckel schließlich hinten überkippt, macht sich der Kakadu sofort über die freigelegten Essensreste her. Major filmte die ausgeklügelte Methode des Papageis und schickte das Video an Lucy Aplin und Barbara Klump vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Radolfzell. „Das war so etwas Außergewöhnliches und Spannendes, das mussten wir uns genauer anschauen“, sagt Ökologin Klump. Bald untersuchte eine internationale Gruppe von Forschenden, wie verbreitet das Öffnen von Mülltonnen bei Kakadus in Sydney ist und wie sie es erlernen.





