Text: Bettina Wurche
Rund 21 Tage lauschen die Küken vom Grünbürzel-Sperlingspapagei ihren Eltern und Nestgeschwistern. Dann fangen sie an zu plappern. Wenn die Alten gerade auf Futtersuche sind und nur die Brüder und Schwestern mit im Nest sitzen, murmeln die Kleinen alles vor sich hin, was sie von den Größeren aufgeschnappt haben: Alarmrufe, Kontaktrufe, Trillern und mehr. Dabei hängen sie alle möglichen Geräusche aneinander – so wie menschliche Kleinkinder, die grade erst lernen, Silben mit ihrem Mund zu formen.
Bekannt ist die Sprachentwicklung der Grünbürzel-Sperlingspapageien dank Karl Berg und seinen Forscherkollegen von der University of Texas Rio Grande Valley. Sie hängten im venezolanischen Bundesstaat Guárico künstliche Nisthöhlen auf, die sie mit Kameras ausstatteten, und konnten so die Vögel beim Spracherwerb beobachten. Das ist besonders, denn vieles, was sonst über die Papageiensprache bekannt ist, wissen wir von Vögeln in Gefangenschaft. Daher ist auch bekannt, dass viele Papageienarten Laute nachahmen, die nicht von ihren Artgenossen stammen – etwa menschliche Sprache oder Telefonklingeln. Bei Papageien in menschlicher Obhut fällt immer wieder auf, dass sie Laute außerdem im richtigen Kontext einsetzen – gerade manche der sprachgewandten Graupapageien können Objekte, Personen oder Tiere benennen. Aufgrund solcher komplexen Kommunikation, die weit über die Bedürfnisse zur Nahrungssuche und Paarung hinausgeht, gestehen Forschende den langlebigen, sozialen und intelligenten Papageien eine Kultur zu. Dazu hat sowohl die Erforschung in Gefangenschaft lebender Exemplare als auch die noch junge Freilandforschung beigetragen, die in den letzten Jahrzehnten durch immer bessere Technologie wie etwa kleinere Kameras große Fortschritte gemacht hat.
Schon nach zwei Wochen Üben haben die Grünbürzel-Sperlingspapageien ein kleines Repertoire an Tönen entwickelt. Beim Spracherwerb helfen Eltern und die Nestgeschwister, indem sie die richtigen Laute stetig wiederholen. So lernen die jungen Vögel ihre artspezifische und lokale Sprache kennen. Im Prinzip lernen sie nicht anders als Menchenkinder.

„Polly spricht!“ Mithilfe von Luft, die auf die vier Membranen im Stimmkopf trifft, können Papageien Töne erzeugen. · Foto: © Quelle Graupapagei: avramchuk / stock.adobe.com, natur-Grafik: Ricardo Rio-Ribeiro-Martins








