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Regionale Produkte sind nicht immer nachhaltiger
Nachhaltigkeit

Regionale Produkte sind nicht immer nachhaltiger

Wie nachhaltig ein Lebensmittel erscheint, hängt für viele Menschen stark von seiner Herkunft ab. Regionale Produkte gelten als besonders umweltfreundlich, Importware als wenig nachhaltig. Diese Einschätzungen sind jedoch überraschend unzuverlässig und können sogar im Widerspruch zur tatsächlichen Umweltbilanz der…
Autor
Sirona Schönfeldt
20. November 2025
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Nachhaltigkeit

Wie nachhaltig wir ein Lebensmittel finden, entscheiden wir häufig nach der Herkunft: So empfinden wir regionale und nationale Produkte, die unweit von ihrem Verkaufsort angebaut wurden, tendenziell als umweltfreundlich, während Importware aus anderen Ländern meist als weniger umweltfreundlich empfunden wird. Diese Einschätzung spiegelt jedoch nicht die tatsächliche Ökobilanz der Lebensmittel wider, wie Forschende nun herausgefunden haben.

Paprika, Äpfel und Rindfleisch im Test

Um herauszufinden, wie Verbraucher in Deutschland die Umweltfreundlichkeit verschiedener Lebensmittel wahrnehmen, hat die Forschungsgruppe um Dorothea Meyer von der Georg-August-Universität Göttingen rund 1000 Personen befragt. Die Teilnehmenden sollten bewerten, wie nachhaltig Paprika, Äpfel und Rindfleisch ohne Herkunftsangabe, aus Deutschland, aus einem EU-Land oder aus einem Nicht-EU-Land sind.

Foto eines Jungen, der in einen Apfel beißt
Äpfel aus Deutschland schätzen Kunden als umweltfreundlicher ein. Aber das stimmt nicht immer. © Larisa Stefanuyk/iStock

Das Ergebnis: Auf einer Skala von null bis 100 lag der mittlere wahrgenommene Umweltbelastungswert von deutscher Paprika bei rund 33 Punkten. Spanische und marokkanische Ware erhielt von den Befragten hingegen einen Wert von 50 beziehungsweise 55. Bei Äpfeln zeigten sich ähnliche Werte und Abstände je nach Herkunft. Bei Rindfleisch wurde zwar auch jenes aus Deutschland als am nachhaltigsten eingeschätzt, allerdings bereits mit einem eher hohen Wert von 50 und geringeren Abständen zu Fleisch anderer Herkunft.

Produkte aus Deutschland hielten die Teilnehmenden demnach durchweg für umweltfreundlicher als jene aus anderen Ländern. Bei Letzteren nahm die geschätzte Nachhaltigkeit mit zunehmender Entfernung des Anbaugebiets immer weiter ab. „Die Daten zeigen ein klares Muster: Importierte Lebensmittel – besonders aus Nicht-EU-Ländern – werden als deutlich umweltschädlicher wahrgenommen“, sagt Meyer. „Dabei können sie ähnlich oder sogar umweltfreundlicher sein als Produkte aus näherer Umgebung.“

Warum sind regionale Produkte manchmal weniger umweltfreundlich?

Entgegen der Einschätzung der Verbraucher sind regionale Produkte tatsächlich nicht immer die nachhaltigsten. Wieso, erklärt das Team an einem Beispiel: „Bei Paprika ist die heimische Produktion in Deutschland aufgrund der energieintensiven Gewächshausbeheizung oft weniger umweltfreundlich“, so die Forschenden. „Spanische Paprika, insbesondere wenn sie in unbeheizten Gewächshäusern angebaut wird, kann aufgrund ihrer hohen Produktivität und wirtschaftlichen Robustheit eine geringere Umweltbelastung verursachen.“

Regionale Produkte können durch die kürzeren Transportwege zwar frischer sein und sind meist automatisch saisonal. Zusätzlich unterstützt der Kauf heimischer Lebensmittel die lokale Wirtschaft. Aber auch wenn es insgesamt viele Vorteile gäbe, regionale Ware zu bevorzugen, zähle Umweltfreundlichkeit nicht immer dazu, schließen Meyer und ihre Kollegen. Der internationale Handel sei nicht grundsätzlich umweltschädlich. Insbesondere die Umwelt-Auswirkungen des Transports würden von den Kunden häufig überschätzt.

„Die Herkunftsangabe allein reicht nicht, um nachhaltige Entscheidungen zu fördern“, sagt Achim Spiller von der Georg-August-Universität Göttingen. „Stattdessen braucht es Informationen, die reale Auswirkungen sichtbar machen, etwa durch Klima- oder Umweltlabel.“ Mithilfe solcher Kennzeichnungen könnten sich Verbraucher verlässlich für umweltfreundlichere Lebensmittel entscheiden. Bislang gibt es allerdings keine einheitlichen Label, die beispielsweise über den CO2-Fußabdruck des Produkts aufklären. Zwar drucken einige Hersteller Nachhaltigkeitsangaben auf ihre Verpackungen, doch ohne einheitliche Standards ist ein Vergleich zwischen Produkten nur schwer möglich.

Quelle: Dorothea Meyer (Georg-August-Universität Göttingen) et al.; Food Quality and Preferences, doi: 10.1016/j.foodqual.2025.105718

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