Unsere fleischlastige Nahrungsversorgung durch eine Landwirtschaft in industriellem Maßstab belastet die Gesundheit und Umwelt und verursacht rund ein Drittel der menschengemachten Treibhausgasemissionen. Fast die Hälfte der bewohnbaren Landfläche werden heute für Viehzucht und Tierfutteranbau genutzt. Doch etwa ein Drittel aller Lebensmittel gehen verloren oder wird verschwendet.
Eine angepasste Ernährung, wie die überwiegend pflanzliche „Planetary Health Diet“, könnte Klima und Umwelt schonen und jährlich bis zu 15 Millionen vorzeitige Todesfälle vermeiden. Bislang war noch unklar, wie stark eine umfassende Ernährungswende die weltweite Landwirtschaft verändern würde. Matthew Gibson von der Cornell University und seine Kollegen haben diese Folgen nun untersucht.
Weniger Tierfutter, mehr Nahrung für Menschen
Die Forschenden verglichen mithilfe von zehn globalen Ernährungssystemmodellen zwei Zukunftsszenarien bis 2050: ein „Business-as-usual“-Szenario und ein Transformationsszenario, das gesündere Ernährungsweisen kombiniert, die landwirtschaftliche Produktivität steigert und die Lebensmittelverschwendung halbiert.
In allen Modellen führt das Business-as-usual-Szenario zu steigenden Tierbeständen, größeren Anbauflächen, höheren Produktionsmengen und stärkeren Umweltbelastungen wie Treibhausgasemissionen und Stickstoffdüngung. Im Transformationsszenario hingegen nutzen die Landwirtschaftssysteme einen größeren Anteil der Erzeugnisse direkt für die menschliche Ernährung und weniger für Tierfutter.
Die Simulationen ergaben: „Über alle von uns verwendeten Modelle hinweg könnte eine Transformation verglichen mit dem Business-as-usual-Szenario die weltweite landwirtschaftliche Flächennutzung bis 2050 um neun Prozent und den Produktionswert der Tierhaltung um 60 Prozent verringern. Die gesamte landwirtschaftliche Produktion läge um 17 Prozent unter dem Business-as-usual-Szenario, was vor allem auf Veränderungen in der Viehwirtschaft zurückzuführen ist“, sagt Gibson. Die Rückgänge würden teilweise durch Wachstum in anderen Sektoren ausgeglichen: Der Produktionswert von Gemüse, Obst, Nüssen und Hülsenfrüchten könnte um 23 Prozent steigen.
Ernährungstransformation ist günstiger
Die Modelle prognostizieren außerdem geringere Produktionsmengen bei Fleisch, Milchprodukten, Getreide und Zuckerpflanzen. Auch Tierbestände, Flächenverbrauch, Produktionskosten und Erzeugerpreise in diesen Bereichen würden sinken. „Unsere Studie zeigt, dass die Fortsetzung des derzeitigen Kurses die teurere Option ist. Eine wachsende Weltbevölkerung bis 2050 mit gesunder Ernährung zu versorgen, würde den Gesamtwert der landwirtschaftlichen Produktion in etwa auf dem Niveau von 2020 halten und gleichzeitig die Umwelt- und Gesundheitskosten im Vergleich zu einem Business-as-usual-Szenario senken“, sagt Co-Autor Hermann Lotze-Campen von der Humboldt-Universität zu Berlin.
Die Vorteile für Gesundheit und Umwelt kommen im Transformationsszenario einer breiten Bevölkerung zugute: So sinken die Netto-CO₂-Emissionen aus landwirtschaftlich bedingten Landnutzungsänderungen bis 2050 um 76 Prozent gegenüber dem Business-as-usual-Szenario. Gleichzeitig gehen die direkten Methan- und Lachgas-Emissionen aus der landwirtschaftlichen Produktion um ein Drittel zurück.
Ländliche Regionen brauchen beim Wandel Unterstützung
„Die Chancen für Umwelt und Gesundheit sind enorm. Gleichzeitig erfordert der Umgang mit den strukturellen Herausforderungen im Agrarsektor eine kohärente Ernährungs- und Agrarpolitik sowie einen Dialog, der alle relevanten Akteure einschließt“, sagt Co-Autorin Felicitas Beier vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Vor allem ländliche Regionen, die stark von der Tierhaltung abhängig sind, könnten wirtschaftlich unter Druck geraten. Die Forschenden plädieren deshalb für politische Maßnahmen, die betroffene Regionen beim Strukturwandel unterstützen.
Quelle: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung; Fachartikel: Nature, doi: 10.1038/s41586-026-10775-2





