Text: Horst Hamm
Der Zander ist ein Fisch, den man durchaus als Gewinner unserer Zivilisation bezeichnen kann. Er kommt besser mit solchen Gewässern zurecht, die wir Menschen verändert haben. Viel besser als zum Beispiel der Hecht. Zudem ist er ein schmackhafter Speisefisch mit festem, weißem Fleisch. Leicht zu halten und lecker – da ist der Schritt zur Zucht nicht weit.
Die Deutsche Edelfisch GmbH will diesen Schritt machen. Seit vergangenem Jahr ist sie dabei, in Neustadt-Glewe im Südwesten Mecklenburg-Vorpommerns Deutschlands erste Indoor-Zuchtanlage für Zander zu bauen. Es soll eine Anlage werden, die nicht nur Fisch produziert, sondern dabei auch noch gut für die Umwelt ist. Ein Vorzeigeobjekt in einer Branche, die regelmäßig in der Kritik steht.
Dabei scheint die Zucht alternativlos zu sein. „Fischbestände weltweit gefährdet“, „Bald bleiben die Netze leer“ – Schlagzeilen wie diese bestimmen seit 20, 30 Jahren die Medien, wenn es um das Thema Fischfang geht. Weltweit gelten nach Angaben der Naturschutzorganisation WWF „33 Prozent der kommerziell genutzten Fischbestände als überfischt und 60 Prozent als maximal genutzt“. Im Mittelmeer und im Schwarzen Meer sind es sogar 62,2 Prozent der Bestände.
Weil Meere und Flüsse immer weniger Fisch hergeben, bekommen Aquakulturen eine immer größere Bedeutung. 46 Prozent der 178 Millionen Tonnen Fische und Meerestiere, die 2018 weltweit gefangen oder geerntet wurden, stammen nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO bereits aus Aquakulturen. Tendenz steigend.
„Hier muss man genau hinschauen“, meint Johanne Fischer, die jahrelang zwei internationale Fischereiorganisationen geleitet hat, die für die nachhaltige Nutzung von Fischbeständen im Nordwestatlantik beziehungsweise Südpazifik zuständig sind. „Viele Aquakultur-
fische, vor allem Raubfische wie Lachse, benötigen fischhaltiges Futter. Daher werden viel zu viele Fische, nämlich rund ein Viertel aller Meeresfänge, zu Fischmehl verarbeitet, ein Tierfutter, das in zunehmendem Maße für Aquakulturen eingesetzt wird.“
Darüber hinaus gibt es unzählige Meldungen, die einem den Appetit auf Zuchtfisch verderben: Antibiotika, deren Rückstände nicht nur Fische, sondern auch Gewässer belasten. Fäkalien und Futterreste, die auf dem Meeresboden beziehungsweise über die Teichwirtschaft in den Abwässern landen. Und nicht zuletzt Tiere, die massenhaft entweichen, sich mit Wildbeständen paaren und deren Bestand gefährden.
Es geht aber auch anders: Ist die Aquakultur in Hallen, wachsen die Fische vollständig von der Umwelt getrennt auf und erreichen ohne Zugabe von Antibiotika die Schlachtreife. Das zeigen geschlossene Aquakulturanlagen in der Schweiz und in Dänemark. Warum also nicht auch in Deutschland?





