Die Menschheit verbraucht schon seit Jahrzehnten mehr natürliche Ressourcen als unser Planet regenerieren kann: Für unsere Ernährung, die Energieproduktion und unseren Rohstoffbedarf zerstören wir Wälder und andere Lebensräume, laugen die Böden aus und verschmutzen Ozeane, Seen und Flüsse. Die Natur hat jedoch nur eine bestimmte Kapazität, um entnommene Ressourcen wieder nachzuproduzieren und Abfälle sowie Emissionen zu verarbeiten.
Der Earth Overshoot Day – Erdüberlastungstag – markiert das Datum, an dem die Menschheit ihr gesamtes Naturbudget für das laufende Jahr aufgebraucht hat. Die Daten dafür stammen zum Teil aus Statistiken der UNO, zum Teil aus den National Footprint and Biocapacity Accounts der York University. In diesen werden Daten und Trends zur weltweiten Entwicklung der Wirtschaft, des Klimas und der Natur zusammengetragen. Die Forschenden des Global Footprint Network nutzen dies dann, um mithilfe von Modellen den wahrscheinlichen Overshoot Day für das laufende Jahr zu prognostizieren.

Der Trend ist ungebrochen: Die Übernutzung der natürlichen Ressourcen durch die Menschheit nimmt immer weiter zu. — © Global Footprint Network, www.overshootday.org
Trend zur Übernutzung ungebrochen
Für 2026 ergaben diese Berechnungen, dass die für dieses Jahr nachhaltig nutzbaren Ressourcen der Erde schon nach sieben Monaten erschöpft sind. Ab dem 30. Juli 2026 lebt die Menschheit demnach „auf Pump“ – zu Lasten der Natur und kommender Generationen. Der Erdüberlastungstag liegt damit in diesem Jahr sechs Tage früher als noch 2025 - auf den ersten Blick scheint dies eine gute Nachricht zu sei. Doch wie die Forschenden erklären, ist daran nicht eine verringerte Ausbeutung der Natur schuld, sondern eine korrigierte Berechnung.
Der Grund: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse legen nahe, dass die Ozeane mehr Kohlenstoff in Form von CO2 aufnehmen können als zuvor angenommen. Zusammen mit weiteren kleineren Korrekturen zeigt dies eine höhere Biokapazität der Erde und verschiebt damit den Erdüberlastungstag um acht Tage nach hinten. Weil sich aber der Ressourcenverbrauch der Menschheit seit 2025 weiter erhöht hat, gehen davon zwei Tage wieder ab. Der Trend zu einem immer früheren Erdüberlastungstag ist demnach ungebrochen: „2026 repräsentiert trotzdem den höchsten jemals gemessenen Overshoot“, erklärt das Global Footprint Network.
Menschheit verbraucht Kapazität von 1,73 Erden
Den aktuellen Daten zufolge beutet die Menschheit die natürlichen Ressourcen heute um 73 Prozent schneller aus als die irdischen Ökosysteme sie regenerieren können. Das bedeutet: Wir leben, als hätten wir 1,73 Erden. Diese Übernutzung der natürlichen Ressourcen addiert sich im Laufe der Zeit immer weiter auf – unser ökologischer Schuldenberg wächst. Seit den frühen 1970er Jahren hat die Menschheit dadurch schon das 20,6-Fache der irdischen Jahresproduktivität verbraucht. „Wir erreichen langsam die Grenze des noch tragbaren ökologischen Schadens“, warnt Lewis Akenji vom Global Footprint Network. „Wir schulden dem Planeten jetzt schon mindestens 20 Jahre der ökologischen Regeneration.“
Allerdings tragen nicht alle Länder gleich viel zum ökologischen Fußabdruck der Menschheit bei. Während viele arme Länder weniger Ressourcen verbrauchen als die Natur ihnen bereitstellen kann, ist dies bei den meisten Industrie- und Schwellenländern nicht der Fall. Spitzenreiter in dieser Hinsicht sind die USA: Würde die gesamte Weltbevölkerung leben wie die US-Amerikaner, bräuchten wir 4,8 Erden, wäre Deutschland der Maßstab, bräuchten wir 2,7 Erden. Unseren nationalen Overshoot Day haben wir deswegen schon im Mai 2026 passiert. Die Folgen dieser Übernutzung natürlicher Ressourcen tragen nicht nur Natur und Klima – auch wir selbst sind betroffen. Denn wir sind auf natürliche Ressourcen angewiesen – sei es für Energie, Rohstoffe, Lebensmittel oder Wasser.

Erdüberlastungstage verschiedener Länder im Vergleich. — © Global Footprint Network, www.overshootday.org
„Eine solche Übernutzung lässt sich nicht ewig weiterführen – das sagt schon die Physik“, sagt Mathis Wackernagel vom Global Footprint Network. „Entweder beenden wir dies oder es endet in einer Katastrophe. Es sollte nicht allzu schwer sein, sich zwischen diesen Optionen zu entscheiden.“
Quelle: Global Footprint Network





