Trockene Böden, niedrige Flusspegel und verdorrte Felder: Europa erlebt seit einigen Jahrzehnten immer häufiger schwere Dürren. Dafür verantwortlich sind sowohl die steigenden Temperaturen durch die Erderwärmung als auch Veränderungen der atmosphärischen Zirkulation. Bislang war jedoch unklar, wie stark sie jeweils zur Austrocknung beitragen.
Ein Forschungsteam der Universität Leipzig um István Dunkl hat den Einfluss dieser Faktoren auf die Trockenheit in Europa nun genauer untersucht. „Wir haben uns in dieser Studie Europa gewidmet, da dies eine der Regionen mit den stärksten beobachteten Erwärmungstrends ist. Unter anderem haben in den letzten Jahrzehnten die Häufigkeit und Intensität von Hitze und Dürre im Sommer stark zugenommen“, sagt Seniorautor Sebastian Sippel.
Hochdruckgebiete erklären mehr als die Hälfte der Dürretrends
Für ihre Studie integrierten die Forschenden in Wetterdaten beobachtete Veränderungen der atmosphärischen Zirkulation in ein Klimamodell, um den Einfluss der veränderten Wetterlagen von den direkten Folgen der globalen Erwärmung zu trennen. Sie berechneten, welchen Anteil beide Prozesse an den europäischen Dürretrends haben und wie sie den Wasserhaushalt unseres Kontinents verändern. Auf diese Weise quantifizierten die Forschenden erstmals den kausalen Zusammenhang zwischen veränderten Zirkulationsmustern und der zunehmenden Trockenheit.
Die Ergebnisse zeigen, dass Veränderungen der atmosphärischen Zirkulation rund 55 Prozent des sommerlichen Dürretrends erklären. Im Sommer treten über Europa häufiger und länger anhaltende Hochdruckgebiete auf, die für ein stabiles, trockenes und heißes Wetter sorgen. Gleichzeitig gibt es weniger Tiefdruckgebiete, die Niederschläge bringen. „Diese Änderung der atmosphärischen Zirkulation trägt erheblich zur sommerlichen Dürre bei, das hat unsere Studie gezeigt“, sagt Dunkl.

Abnahme der sommerlichen Bodenfeuchte zwischen 1980 und 2024 über Europa und die Anteile von Temperaturen und atmosphärischer Zirkulation. — © Dr. István Dunkl / Universität Leipzig
Klimawandel wirkt mit
Neben diesen veränderten Wetterlagen trägt auch die Erderwärmung direkt zur Austrocknung bei. Die erhöhte Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre verändert den Energiehaushalt der Erde und lässt die Temperaturen steigen. Dadurch verdunstet mehr Wasser, sodass den Böden zunehmend Feuchtigkeit entzogen wird.
„Wir haben zudem festgestellt, dass sich der Einfluss des Klimawandels auf die europäische Bodenfeuchte von Jahr zu Jahr unterscheidet: Besonders in Sommern mit wenig Niederschlag ist der reduzierende Einfluss des Klimawandels auf die Bodenfeuchte besonders hoch“, erklärt Dunkl. Das liegt daran, dass der Niederschlag zwar insgesamt abnimmt, sich Extremniederschlagsereignisse aber intensivieren. In nasseren Jahren kann der Niederschlag die Austrocknung deswegen etwas ausgleichen.
Ob die Trockenheit in der Zukunft weiter zunimmt oder zurückgeht, hängt Dunkl zufolge davon ab, wodurch die Veränderungen der atmosphärischen Zirkulation verursacht werden. „Während die Mechanismen hinter den direkten Effekten der Erderwärmung verstanden sind, gibt es noch erhebliche Unsicherheit über die Ursachen der Zirkulationsänderung“, sagt Dunkl. Bislang ist nicht geklärt, ob der Klimawandel die häufigeren Hochdrucklagen antreibt oder ob sie zumindest teilweise auf natürliche Klimaschwankungen zurückgehen.
Erkenntnisse könnten Dürrerisiko besser eingrenzen
Bereits heute verursachen Dürren in Europa jährlich Schäden von durchschnittlich rund neun Milliarden Euro, im gesamten Mittelmeerraum liegen die Kosten noch deutlich höher. Mit den neuen Erkenntnissen lasse sich das Dürrerisiko besser eingrenzen, sagt Dunkl. Die Studie zeigt, dass dynamische und thermodynamische Prozesse zusammen betrachtet werden müssen, um vergangene Trends zu deuten und das künftige Risiko abzuschätzen. Die gewonnenen Erkenntnisse können als Grundlage für die Evaluierung von Klimaprojektionen dienen und bei der Entwicklung von Anpassungsstrategien für ein zunehmend trockeneres Europa helfen.
Quelle: Universität Leipzig. Fachartikel: Nature Geoscience. doi: 10.1038/s41561-026-02050-w





