Der Begriff „Near Water“ bezeichnet im Lebensmittelhandel Getränke auf Wasserbasis mit Frucht- oder Kräutergeschmack. Der dezente Geschmack kommt dabei durch den Zusatz von Fruchtsäften, Kräuterextrakten oder künstlichen Aromen zustande. Das erste Getränk dieser Art hat die Firma Volvic bereits 1989 in Frankreich verkauft. Seither sind die Produktpalette und das Verbreitungsgebiet stetig gewachsen und seit 1992 stehen die „Aqua-Plus-Drinks“ auch in deutschen Märkten.
Inzwischen gibt es bei uns Wasser in den verschiedensten Geschmacksrichtungen zu kaufen – von Minze und Zitronengras über Ingwer und Holunder bis Maracuja und Guarana. Typische Geschmacksrichtungen von „Near Water“-Getränken umfassen auch Zitrone und Limette, Himbeere, Pfirsich und Apfel – ganz zur Freude und Verwirrung der Kunden. Wem klares Wasser zu fad, Saft und Limonade mit diesen Früchten aber zu süß oder ungesund sind, greift häufig zu solchen Wasseralternativen.
Obwohl die Durstlöscher offiziell zu den Erfrischungsgetränken zählen, werden die „Fast-Wasser“ in der Regel im Wasserregal platziert. Durch den bewussten Verzicht auf Farbstoffe sehen diese meist auch aus wie Wasser oder sind nur blass gefärbt. Auf den Etiketten sind häufig Früchte zu sehen und Aufschriften wie „vital“ und „aktiv“.
Wie viel Zucker steckt in „Near Water“?
Diese Vermarktung der aromatisierten Wässer mit einem „Hauch“ oder einer „Brise“ von etwas Natürlichem suggeriert einen geringen Zuckergehalt. Tatsächlich sind „Near Water“ kalorienärmer als andere Erfrischungsgetränke. Doch hinter der Aufmachung und Vermarktung als gesunde Wellness- oder Sport-Drinks können unvermutet große Mengen an Zucker stecken, wie eine Analyse aus dem Jahr 2022 ergab.
Demnach enthalten die „Near Water“ Getränke im Schnitt acht Würfel Zucker (circa 30 Gramm) und bis zu 200 Kilokalorien pro Liter. Zum Vergleich: Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt für Erwachsene pro Tag maximal 14 Würfel Zucker (rund 50 Gramm) über Getränke und Speisen zu sich zu nehmen. In vielen dieser Erfrischungsgetränke ist extra Zucker beigefügt, anderen sind nur Fruchtsäfte zugesetzt – allerdings von weniger als ein Prozent bis zu 15 Prozent. Dadurch enthalten sie trotzdem manchmal noch einen gewissen Teil natürlichen Fruchtzuckers.
Wer genauer wissen will, wie gesund sein Lieblingsgetränk wirklich ist, sollte daher die Nährwert- und Inhaltsangaben auf der Flasche lesen und gegebenenfalls mit anderen Getränken vergleichen. Ein Aufdruck zum „Nutri-Score“, der Konsumenten diese Vergleichsarbeit erleichtern würde, ist bislang nicht verpflichtend und fehlt daher häufig auf den Flaschen. Laut der Arbeiterkammer Salzburg liegen „Near Water“-Produkte auf dieser Buchstaben-Skala von A bis E meistens im C-Bereich.

Was ist alles drin im „Fast-Wasser“?
Ein Blick auf die Inhaltsstoffe der Aqua-Plus-Drinks verrät auch, ob es sich bei der Hauptzutat eigentlich um hochwertiges Mineralwasser oder normales Leitungswasser handelt und welche Zutaten noch verwendet wurden. Zum Süßen setzen die Hersteller nicht nur auf Haushalts-, Trauben- und Fruchtzucker, sondern auch auf Honig, Agavendicksaft und Süßstoffe. Der Anteil echter Früchte und Kräuter ist oft gering, der Geschmack meist durch künstliche Aromen aufgepeppt oder gänzlich durch Aromen erzeugt, kritisieren Verbraucherschützer. Einigen Durstlöschern sind auch Vitamine zugesetzt. Diese sind zwar gesund, bei einer normalen Ernährung aber im Wasser nicht extra notwendig.
Die Konzeption, Aufbereitung und Vermarktung lassen sich die Hersteller zudem gut bezahlen. „Die aufgepeppten Wellness-Wässer kosten zwischen 35 Cent und über zwei Euro pro Liter und sind somit deutlich teurer als Mineralwässer“, schreibt die Verbraucherzentrale. Wer es günstiger haben, aber nicht auf Geschmack in seinem Wasser verzichten will, kann sich „Near Water“ auch schnell selbst herstellen: Einfach etwas Tee, Obst oder Kräuter ins Wasserglas geben und fertig. Gegen den Durst hilft übrigens am besten gänzlich ungesüßtes Wasser.





