Kommt Fisch auf den Teller, so stammt er in fast jedem zweiten Fall aus einem Zuchtbetrieb. Diese so genannte Aquakultur produziert weltweit bereits 43 Prozent der für den menschlichen Verzehr bestimmten Fische, berichten Forscher der Welternährungsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen auf einer Konferenz in Neu Delhi. Doch der rasante Boom der Aquakultur gefährdet auch die Umwelt.
Der Fang wildlebender Fische in Meeren, Seen und Flüssen ist seit den 1980er Jahren nahezu konstant geblieben, betonen die Forscher der FAO. Er lag bei rund 90 Millionen Tonnen jährlich. Darunter waren 60 Millionen Tonnen für den menschlichen Verzehr bestimmt. Anders ist es bei der Aquakultur: Während 1980 nur neun Prozent der weltweiten Fischproduktion auf ihr Konto gingen, steht sie heute bei fast fünfzig Prozent. Dieser Anstieg sei auch nötig, um die wachsende Weltbevölkerung mit ausreichend Nahrung zu versorgen, sagen die FAO-Experten.
Während Fischfarmen die Gefahr der Überfischung der Weltmeere reduzieren, da sie die steigende Nachfrage nach Fisch bedienen, gehen von ihnen auch Umweltgefahren aus. So können sich Fischkrankheiten und Parasiten ausbreiten und wildlebende Fische bedrohen. Exkremente und unverbrauchte Futteranteile können in umliegende Gewässer gelangen und dort zu Algenwachstum führen. Der Aquakultur-Experte der FAO, Rohana Subasinghe, weist allerdings darauf hin, dass in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten große Anstrengungen unternommen wurden, Fischfarmen umweltfreundlicher zu betreiben.
Die Welternährungsorganisation schätzt, dass zur Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung bis zum Jahr 2030 rund 40 Millionen Tonnen mehr Fisch produziert werden müsste. Da der Fischfang auf den Weltmeeren stagniert, setzt die FAO auf die Aquakultur. Die Fischzucht wächst zwar weltweit weiter, aber nicht in Afrika südlich der Sahara. Daher betrachtet es Subasinghe als wichtiges Ziel, diese wertvolle Nahrungsquelle in dieser Region zu etablieren.
Nature, Onlinedienst ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer





