Ob Erdbeeren aus Spanien, Rindfleisch aus den Niederlanden oder Bananen aus Kolumbien: Viele unserer Lebensmittel müssen lange Strecken zurücklegen, bevor sie bei uns im Supermarktregal landen. Doch das führt dazu, dass allein die Produktion und der Transport von Nahrungsmitten ein Drittel aller menschengemachten Treibhausgas-Emissionen verursacht. Eine Alternative könnte die Rückkehr zu lokalem Anbau und Viehhaltung in der Region sein. Doch ist das überhaupt möglich?
Zu wenig Weiden und Äcker
Anna-Mara Schön und Marita Böhringer von der Hochschule Fulda haben nun erstmals überprüft, wie es um die Selbstversorgerqualitäten Deutschlands steht und wählte dafür das Bundesland Hessen als Modellfall. Dafür ermittelten sie zunächst, wie viel Fläche theoretisch nötig wäre, um die aktuellen Konsumgewohnheiten der dortigen Bevölkerung zu befriedigen. Das Ergebnis: Um einen durchschnittlichen Hessen satt zu kriegen, braucht es aktuell 767 Quadratmeter Weideland pro Kopf und noch einiges mehr an Ackerflächen.
Doch diese Rechnung geht schon deshalb nicht auf, weil in Hessen pro Kopf gerade einmal 467 Quadratmeter Weideland zur Verfügung stehen. „Damit ist es unter den derzeitigen Bedingungen nicht möglich, das Ernährungssystem von der industrialisierten Landwirtschaft auf eine bäuerliche Landwirtschaft in größerem Maßstab umzustellen“, schlussfolgert Schön. Das bedeutet aber noch nicht, dass das Selbstversorgerdasein Hessens automatisch zum Scheitern verurteilt ist.
Mehr Gemüse als Schlüssel
Was wäre zum Beispiel, wenn alle Einwohner Hessens von heute auf morgen ihre Ernährung umstellen und mehr pflanzliche Kost und weniger Fleisch essen würden? Das würde einiges an Flächen für den Futtermittelanbau einsparen. Auch dieses Szenario haben Schön und Böhringer durchgerechnet. Als durchschnittliche Ernährung wählten sie hierfür die sogenannte Planetary Health Diet. Diese sieht eine gesunde Kost vor, die gleichzeitig die Ressourcen des Planeten schont. Konkret verdoppelt sich dabei der aktuelle Anteil an Gemüse und Obst in der Ernährung, während sich der Verzehr von Fleisch und Zucker halbiert.
Würden alle Menschen in Hessen dementsprechend essen, bräuchte es nur noch die Hälfte der heutigen 125.000 Milchkühe und nur ein Fünftel der Mastschweine, wie die Forscherinnen berichten. Demnach könnte eine einzige Kuh auf einmal 90 Personen mit Fleisch- und Milchprodukten versorgen statt wie bisher nur 17. Das hat auch Folgen für die Fläche an Weideland und für den Futtermittelanbau, die pro Person benötigt wird. Diese sinkt von 767 auf 128 Quadratmeter. Hinzu kommen 482 Quadratmeter Ackerfläche pro Kopf, während theoretisch sogar 648 Quadratmeter verfügbar wären. Heißt im Umkehrschluss: „Wenn alle Einwohner Hessens sich entsprechend der Planetary Health Diet ernährten, würden die Ressourcen ausreichen“, berichten Schön und Böhringer.





