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Klimawandel auf dem Acker: Wie sich deutsche Bauern anpassen
Nachhaltigkeit

Klimawandel auf dem Acker: Wie sich deutsche Bauern anpassen

Starkregen, Hitze, Dürre – der Klimawandel ist längst auf deutschen Feldern angekommen. Das stellt nicht nur die Landwirtschaft vor große Herausforderungen, sondern betrifft auch unsere Ernährung. Welche Folgen hat der Klimawandel für Getreide- und Obstanbau? Wie wirkt er sich auf die Tierhaltung aus? Und mit…
Autor
Carla Moritz
08. Juli 2025
Lesezeit
5 Minuten
Rubrik
Nachhaltigkeit

In Deutschland wird es heißer. Seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 sind die mittleren Temperaturen hierzulande um 1,7 Grad Celsius gestiegen. Aber die Folgen des Klimawandels sind weitaus komplexer als eine allgemeine Erwärmung. Tage mit extremer Hitze und Dürreperioden werden häufiger. Gebiete wie Brandenburg und Sachsen-Anhalt, in denen es jetzt schon zu wenig regnet, könnten in Zukunft noch weniger Niederschlag abbekommen. Und wenn es dann regnet, sind es oft große Wassermengen innerhalb kurzer Zeit, die nicht im Boden versickern. Die Folgen sind Bodenerosion und Überschwemmungen. Aber auch Kahlfroste nehmen durch den Klimawandel zu. So nennt man Ereignisse, bei denen Frost ohne eine für Pflanzen schützende Schneedecke auftritt.

Klimawandel ist für die Landwirtschaft jetzt schon spürbar

Neben den verheerenden Folgen für wilde Pflanzen und Tiere, betrifft der Klimawandel auch Ackerbau und Tierhaltung. Extremwetterereignisse wie Starkregen schwemmen zum Beispiel wichtige Nährstoffe aus dem Boden und setzen Felder unter Wasser. Dürre und Hitze wiederum lassen Pflanzen vertrocknen oder hemmen ihr Wachstum. Missernten sind die Folge. Zudem werden die Pflanzen durch den Trockenstress anfälliger für Schädlinge wie Kartoffelkäfer und Blattläuse.

Dazu kommt, dass Schädlinge, Pilze und Unkräuter von den milden Wintern profitieren. Ein Beispiel dafür ist der Getreidepilz Braunrost, dessen Ausbreitung durch den Klimawandel begünstigt wird. Milde Winter sind auch für Pflanzen wie Raps, Gerste oder Weizen ein Problem, die Bauern im Herbst säen. Diese Getreide brauchen kalte Winter, damit sie im Frühjahr blühen. Fehlt der sogenannte Kältereiz, fällt die Ernte später sehr viel kleiner aus. Heiße Tage während der Getreideblüte im Frühjahr schaden zusätzlich bei der Bildung von Getreidekörnern und damit der Ernte.

Die Erderwärmung ermöglicht es zwar, dass Pflanzen über einen größeren Teil des Jahres hinweg gedeihen, bringt aber natürliche Rhythmen durcheinander. Apfelbäume zum Beispiel blühten in den letzten zehn Jahren durchschnittlich 15 Tage früher als noch vor 40 Jahren. Durch Spätfrost erfrieren bei Obstbäumen aber regelmäßig die Blüten und Knospen.

Nutztiere wie Schweine, Hühner und Rinder leiden ebenfalls unter den heißen Sommertagen. In Ställen mit vielen Tieren steigt die Temperatur besonders stark. Die Tiere hören dann auf zu fressen und werden schneller krank – ein Problem für das Tierwohl und die Lebensgrundlage vieler Landwirte.

Landwirtschaft als Mitverursacher der Klimakrise

Bauern sind gleichzeitig Opfer und Treiber der Klimakatastrophe. Im Jahr 2024 stieß die Landwirtschaft laut Bundesumweltamt insgesamt 62,1 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid-Äquivalente aus. Das sind knapp zehn Prozent der deutschen Treibhausgase. Vor allem Methan und Lachgas stammen aus landwirtschaftlicher Quelle. Lachgas ist für das Klima etwa 300-mal, Methan rund 25-mal so schädlich wie Kohlenstoffdioxid (CO2).

Methan entsteht vor allem bei Verdauungsprozessen von Wiederkäuern wie Rindern und Schafen. Die Lagerung von Mist, beispielsweise von Schweinen, setzt Methan und Lachgas frei. Auch auf gedüngten Feldern entsteht Lachgas. Derzeit werden verschiedene Techniken in der Tierhaltung und dem Ackerbau erprobt, um diese Emissionen aus der Landwirtschaft künftig zu senken. Darüber hinaus haben die Bauern aber noch viele weitere Stellschrauben, um die Klima-Gefahren für Pflanzen und Tiere zu mindern.

Umdenken auf den Feldern

Schon bei der Auswahl der kultivierten Pflanzen können Landwirte auf die veränderten Bedingungen reagieren. Körnermais, Sorghum-Hirse aus der Sahelzone, Sojabohnen, Sonnenblumen und Hartweizen sind beispielsweise hitzeresistente Pflanzen, die in Zukunft besser gedeihen werden. Gezielte Züchtungen und Gentechnik sollen Pflanzen außerdem mit einem besseren Wurzelsystem ausstatten, um an Wasser aus tieferen Bodenschichten zu gelangen. Im Weinbau verschieben sich die Anbauregionen in Folge der Hitzewellen nach Norden. Die wärmeliebenden Weinsorten Merlot, Cabernet Sauvignon und Syrah kann man beispielsweise nicht mehr nur im Süden Deutschlands anbauen.

Raps, Mais, Weizen – oft sieht man auf deutschen Feldern die gleiche Pflanze, soweit das Auge reicht. Die Abkehr von solchen Monokulturen würde viele negative Effekte der Klimakrise mildern. Ein Alternativmodell ist der Agroforst. Dabei werden kleine Kulturpflanzen oder Tierhaltung mit Hecken und Bäumen kombiniert. Die positiven Effekte sind zahlreich: Licht, Wasser und Nährstoffe werden durch die unterschiedlichen Pflanzen besser genutzt. Der Boden ist besser vor Erosion geschützt, weniger Dünger ist nötig, die Pflanzen und Böden binden mehr Kohlenstoff. Zudem kann ein Agroforst landschaftlich attraktiv für die Erholung von Menschen sein. Wirtschaftlich sind solche Anbausysteme meist durch den Verkauf von Holz und Obst.

Für traditionelle Felder gibt es weitere Möglichkeiten zum Bodenschutz. Ein Wechsel zwischen verschiedenen Pflanzenarten, Wildkräuter, die ganzjährig auf den Feldern wachsen, und eine schützende Mulchschicht unterstützen zum Beispiel die Bildung von Humus. Ein Boden mit mehr Humus kann mehr Wasser und Nährstoffe speichern. Nebenbei bindet der Boden dadurch mehr Kohlenstoff und braucht weniger Dünger – die Technik schont also auch das Klima. Anbaumethoden, die weniger in den Boden eingreifen, also keinen Pflug und möglichst leichte Maschinen nutzen, schützen den Boden zusätzlich vor Erosion.

Luftaufnahme: Sprinkleranlage auf einem Feld
Bei Dürre und Hitze kann Ackerpflanzen eine künstliche Bewässerung helfen. © Torsten Asmus/iStock

Mit Bewässerung gegen die Dürre

Bei Dürre und Hitze kann Ackerpflanzen eine künstliche Bewässerung helfen. Im Jahr 2019 wurden in Deutschland bereits 506.480 Hektar Ackerflächen bewässert. Das sind 36 Prozent mehr als noch 2009. Meistens verwenden Bauern dabei die sogenannte mobile Trommelberegnung, bei der Sprinkleranlagen per Traktor über die Felder gezogen werden. Die Technik ist schnell und flexibel, hat allerdings Wasserverluste von bis zu 40 Prozent. Nachhaltiger ist die Tröpfchenbewässerung, bei der Wasser über einen längeren Zeitraum tröpfchenweise ausgebracht wird und höchstens 20 Prozent des Wassers verloren gehen. Bisher lohnt sich dieser aufwendige Prozess aber nur bei Obst wie Erdbeeren, das Bauern für einen hohen Preis verkaufen können. Relativ verlustarm sind auch stationäre Kreiselanlagen auf großen Feldern, sie sind aber ebenfalls teuer.

Außerdem kann eine künstliche Bewässerung Nutzpflanzen vor Frostschäden schützen. Zum Beispiel beregnen Landwirte an der Niederelbe bei Hamburg ihre Obstbäume bei Frost künstlich. Das Gefrieren des Wassers und die dabei freiwerdende Energie verhindern, dass die Blüten erfrieren. In Zukunft wird Wasser als Ressource allerdings noch knapper und eine Bewässerung in der Landwirtschaft schwieriger. Daher sind moderne Techniken, saisonale Wasserspeicherung und ein nachhaltiges Wassermanagement nötig.

Angepasste Tierhaltung

Tierhalter müssen besonders Ställe vor der zunehmenden Hitze schützen. Damit Kühe, Schweine und Hühner nicht am Extremwetter leiden, sollten Bauern für neue Ställe kühle Standorte mit weniger Sonneneinstrahlung wählen. Zusätzlich und bei bereits bestehenden Ställen können eine Wärmedämmung, Klimaanlagen und Dachbegrünung vor Hitze im Innern schützen.

Für solche langfristigen und nachhaltigen Anpassungen an die Folgen des Klimawandels braucht es Mut für weitere Ideen und Geld. Für Landwirte ist es daher wichtig, dass sie ihre Produkte langfristig und für einen fairen Preis verkaufen können.

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