Normalerweise fressen Tiere, was sie finden oder erbeuten – auch unsere Vorfahren lebten einst auf diese Weise als Jäger und Sammler. Dann begann der Mensch jedoch, sich mit Nahrung zu versorgen, die er durch die gezielte Pflege von Pflanzen und Tieren gewonnen hat. Für diese bäuerliche Lebensweise gibt es auch Beispiele im Tierreich: Manche Ameisen- und Termitenarten bauen Pilze an, um sich zu ernähren. Abgesehen von uns waren aus der Gruppe der Säugetiere aber bisher keine ähnlichen Verhaltensweisen zur Nahrungsmittelproduktion bekannt. Doch nun kommen die Biologen Francis Putz und Veronica Selden von der University of Florida in Gainesville zu dem Schluss: “Die Südöstlichen Taschenratten sind die ersten bekannten nicht-menschlichen Säugetierbauern”.
Tunnelsysteme im Visier
Diese in Nordamerika verbreiteten Nagetiere bekommt man in der Regel kaum zu Gesicht – sie machen sich meist nur durch kleine Erdhügel auf der Erdoberfläche bemerkbar. Es handelt sich dabei um den Aushub ihrer unterirdischen Arbeit: Taschenratten legen im Untergrund ein ausgedehntes Labyrinth aus gewundenen Tunneln an. Am Anfang der Studie stand die Frage, wie die Tiere beim Graben auf genügend Nahrung stoßen können, um zu einem energetischen Nettogewinn zu kommen – denn das Wühlen ist sehr anstrengend. So kam der Verdacht auf, dass die Tiere vielleicht gar nicht so viel graben müssen. Einen Hinweis bildete dabei das bekannte Problem, dass Wurzeln gern in die mit Exkrementen gedüngten Kanalisationssysteme einwachsen und regelmäßig beseitigt werden müssen. “Wenn Wurzeln in diese von Menschen geschaffenen Tunnel sprießen, dachten wir, dass sie vielleicht auch in diese Nager-Tunnel hineinwachsen, die mit Kot gedüngt werden”, sagt Selden.
So entschlossen sich Putz und Selden, ihrem Verdacht gezielt nachzugehen: Für ihre Studie erfassten sie an einem Taschenratten-Tunnelsystem im Freiland, wie viel Wurzelmasse in die unterirdischen Hohlräume einwächst. Wie sie berichten, war dies mit viel Grabarbeit verbunden und eine der großen Herausforderungen war es, die Nager aus dem untersuchten Tunnelbereich fernzuhalten, damit sie dort im Untersuchungszeitraum von einigen Monaten nicht ernten konnten. Durch einige Tricks gelang dies den Forschern schließlich. So konnten sie die Wurzelwachstumsrate bestimmen sowie den Energiegehalt des Materials einschätzen, das ein typisches Tunnelsystem liefern kann. Diese Ergebnisse konnten die Wissenschaftler dann in Bezug zu Schätzungen des Energiebedarfs der Nager setzen.
Eine Wurzel-Farm zeichnet sich ab
Aus den Berechnungen und Vergleichen ging hervor: Das Graben eines Tunnels würde viel mehr Energie kosten, als das dabei gefundene Futter bereitstellen könnte. Indem die Taschenratten jedoch die Wurzeln ernten, die mit der Zeit in die bereits gegrabenen Tunnel hineinwachsen, können sie genug Energie gewinnen, um auf der Suche nach mehr Nahrung weiter Tunnel zu graben: Die tägliche Ernte deckt 20 bis 60 Prozent des Energiebedarfs der Nager, ergaben die Schätzungen. “In den Tunneln ist es tatsächlich dunkel und feucht wie in einem Kanalisationsrohr und die Wurzeln wachsen dort hinein wie Stalaktiten und Stalagmiten”, so Putz. Selden führt weiter aus: “Die Tiere sorgen dort für eine perfekte Umgebung, in der die Wurzeln wachsen können, und sie düngen sie mit ihren Abfällen”. Den Forschern zufolge erklärt diese Bedeutung des ausgedehnten Tunnelsystems, warum die Taschenratten sie instand halten und verteidigen.





