Unser Trinkwasser stammt aus Seen und Flüssen sowie aus Grundwasser, das mittels Pumpen an die Oberfläche befördert wird. Werden diese Quellen oder lokale Wasserwege verschmutzt, muss das Wasser jedoch zunächst aufwendig aufbereitet und gereinigt werden – und nicht alle Verunreinigungen lassen sich rückstandslos entfernen. Zudem verfügen längst nicht alle Gegenden weltweit über die nötige Technologie dafür. Ihnen steht bei zu starker Verschmutzung der Ressourcen daher weniger Süßwasser zum Trinken, Waschen, für Tiere und für die Industrie zur Verfügung. Wird das kostbare Nass zudem verwendet, um in Dürrezeiten trockene Böden für die Landwirtschaft zu bewässern, verringert sich die verfügbare Trinkwassermenge zusätzlich.
Inventur der globalen Wasservorräte
Wie sich diese Faktoren auf die weltweite Wasserknappheit auswirken, haben nun Forschende um Wenfeng Liu von der Chinesischen Landwirtschaftsuniversität in Peking untersucht. Dafür werteten sie aus, wie viel Wasser auf der Erde vorhanden ist – unterteilt in „blaues“ Oberflächen- oder Grundwasser und „grünes“ Regenwasser in Form von Bodenfeuchtigkeit. Zudem ermittelten sie, wie sich die Wasserqualität von 2010 bis 2019 entwickelt hat, je nach jährlichem Bedarf und Verfügbarkeit von Süßwasser.

Die Analyse zeigte, dass auf 22 bis 26 Prozent der globalen Landfläche ganzjährig Wasserknappheit in mindestens einer der drei untersuchten Dimensionen aufgetreten war – blaues, grünes oder sauberes Wasser. Das betraf 58 bis 64 Prozent der Weltbevölkerung, wobei die größte Zahl von Menschen der Wasserknappheit jeweils im März ausgesetzt war. Für zumindest einen Monat zwischen Februar und Mai waren vorübergehend sogar 80 Prozent der Menschen von Süßwassermangel betroffen, überwiegend in Asien. Im Mittelmeerraum und im Nahen Osten waren die kritischsten Monate hingegen von Juli bis September.
Am häufigsten fehlt es den Auswertungen zufolge an Regenwasser und damit an grünem Wasser für die Landwirtschaft. „Im Gegensatz dazu sind Zentralasien und große Teile Europas überwiegend von Blauwasser-Mangel betroffen, vor allem zwischen Juni und Oktober“, berichtet das Team. Dort gab es also vor allem zu wenig Trinkwasser für Haushalte und Industrie. In einigen Gebieten, wie dem kalifornischen Central Valley und dem Mittelmeerraum, war gleichzeitig grünes und blaues Wasser knapp. In der nördlichen Tiefebene Chinas gab es hingegen genug grünes Regenwasser für die Landwirtschaft, aber zu wenig blaues Trinkwasser, dessen Qualität obendrein zu wünschen übrig ließ. In einigen Gegenden waren die Menschen sogar gleichzeitig in allen drei Dimensionen von Wasserknappheit betroffen, insgesamt etwa 0,53 Milliarden Menschen, vor allem in Indien, China und Pakistan.





