Um mehr Klarheit in die Debatte zu bringen, haben Seufert und ihr Kollege Navin Ramankutty nun erstmals alle bisher bekannten Daten zu den Vor- und Nachteilen der ökologischen Landwirtschaft zusammengetragen und ausgewertet. In ihrer Studie analysieren sie, wie der Biolandbau in 17 Kriterien abschneidet – von den Erträgen und die langfristige Versorgungsstabilität über die Effekte auf Artenvielfalt, Klima und Bodenqualität bis hin zu den gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen auf Bauern und Konsumenten. Die Wissenschaftler untersuchte dabei auch, wie stark regionale Unterschiede und andere Faktoren das Abschneiden beeinflussen.
Viele Grauschattierungen statt Schwarz-weiß
Das Ergebnis: “Die ökologische Landwirtschaft kann nicht der heilige Gral sein, wenn es um die nachhaltige Nahrungsversorgung der Menschheit geht”, so Seufert und Ramankutty. Zwar habe der Biolandbau einige klare Vorteile gegenüber der konventionellen Landwirtschaft. Gleichzeitig gebe es aber auch einige Nachteile und viele noch ungeklärte Fragen. Punkten kann der Biolandbau demnach vor allem bei der Artenvielfalt und der Boden- und Wasserqualität: Es gelangen weniger giftige Pestizide und weniger synthetische Düngemittel in diese Lebensräume, außerdem zeigen ökologisch bewirtschaftete Böden weniger Erosion und können mehr Wasser und Kohlenstoff speichern. Letzteres kommt auch dem Klima zugute. Ebenfalls klar positiv wirkt sich die ökologische Landwirtschaft auf die Gesundheit der Landarbeiter aus: “Pestizidvergiftungen verursachen weltweit jedes Jahr rund eine Million Todesfälle und chronische Erkrankungen”, berichten die Forscher.
In anderen Aspekten jedoch sind die Vor- und Nachteile weniger klar und können je nach Rahmenbedingungen sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Wie die Forscher berichten, hinken beispielsweise die Ernteerträge im Biolandbau denen im konventionellen Anbau hinterher – je nach Nutzpflanze und Region beträgt der Abstand zwischen fünf und 40 Prozent. Das aber bedeutet: “Um die gleiche Menge an Nahrung zu bekommen, müssten Biobauern ihre Anbauflächen vergrößern”, erklärt Seufert. “Doch die Umwandlung von Naturland in Ackerland ist eine der Hauptursachen für die Zerstörung von Lebensräumen und den Klimawandel.” Selbst wenn die einzelnen Biofelder eine höhere Artenvielfalt erlauben als konventionelle Äcker, könnte dadurch insgesamt gesehen die Natur leiden. Andererseits ließe sich dies vielleicht vermeiden, wenn der Biolandbau seine Produktivität steigern kann – beispielsweise durch Züchtung neuer Nutzpflanzensorten. “Es wird geschätzt, dass 95 Prozent des ökologischen Anbaus sich auf Pflanzensorten stützen, die für den konventionellen Anbau optimiert sind”, sagen die Forscher. “Diese wachsen unter ökologischer Bewirtschaftung aber oft nicht so gut.”





