Die Organisation „Veganuary“ wurde 2014 in Großbritannien von Privatpersonen gegründet. Ihr Name ist ein Kunstwort aus „January“ und „vegan“ und verweist auf das zentrale Anliegen der Initiative: Menschen dazu zu motivieren, im Januar eine vegane Ernährung auszuprobieren und diese im besten Fall dauerhaft fortzuführen. Das hat Vorteile fürs Klima und das Tierwohl. Viele „Neu-Veganer“ fragen sich allerdings, was sie statt der üblichen fleischhaltigen Hauptzutat essen sollen, oder sehnen sich schlicht nach dem Geschmack von Fleisch.
Die Lebensmittelindustrie hält inzwischen zahlreiche Antworten für die Bedürfnisse von Veganern bereit, die den Umami-Geschmack von Fleisch missen: Es gibt zum einen Produkte, die Schnitzel, Bratwurst oder Aufschnitt in Geschmack, Konsistenz und Aussehen möglichst realistisch nachahmen sollen. Zudem gibt esProdukte wie Gemüsebratlinge oder panierte Tofuscheiben, die eine Alternative zu Fleisch bieten sollen, ohne dieses penibel zu imitieren.

Verarbeitet vs. verarbeitet
Unabhängig von ihrem Konzept gilt für die meisten Fleischersatzprodukte: Sie sind stark verarbeitet. Vegane Fleischalternativen entstehen durch komplexe Herstellungsprozesse und enthalten zahlreiche Zutaten, die Textur, Geschmack und Haltbarkeit beeinflussen. Die Ersatzprodukte werden in der öffentlichen Diskussion daher oft mit einem hohen Anteil an ungesunder „Chemie“ in Verbindung gebracht.
Ein solcher Eindruck ergibt sich jedoch vor allem im Vergleich mit unverarbeiteten Lebensmitteln, nicht mit den fleischhaltigen Vorbildern der Ersatzprodukte. Klassische Fleischwaren wie Aufschnitte oder Fertigprodukte sind ebenso stark verarbeitet.
Pflanzlich und tierisch im direkten Vergleich
Wie gesund vegane Ersatzprodukte tatsächlich sind, hängt stark vom jeweiligen Produkt ab. Das zeigt auch ein Marktcheck der Verbraucherschutzorganisation foodwatch zum Veganuary: Besonders salzige und fettige Klassiker wie Bacon, Salami oder Aufschnitt schneiden insgesamt schlecht ab – unabhängig davon, ob sie vegan sind oder nicht. Bei Salami-Sticks zeigen sich beispielsweise kaum Unterschiede – beide Varianten erhalten aufgrund ihres hohen Fett-, Salz- und Zuckergehalts die schlechteste Bewertung im Nutri-Score.
Im direkten Vergleich haben pflanzliche Varianten jedoch häufig leichte Vorteile gegenüber den tierischen Originalen. Beim Bacon etwa enthält die vegane Version deutlich weniger gesättigte Fettsäuren und Kalorien und mehr Eiweiß und Ballaststoffe als Schweinespeck, dafür aber mehr Salz und Zucker. Auch vegane Mortadella schneidet besser ab: Sie ist kalorienärmer und ballaststoffreicher als die Geflügelvariante, liefert jedoch deutlich weniger Eiweiß.
Einige vegane Produkte erreichen sogar einen grünen Nutri-Score. Dazu gehören etwa pflanzliche Hähnchenalternativen oder veganes Hack. Sie enthalten wenig Fett, kaum gesättigte Fettsäuren und dafür mehr Ballaststoffe. Gleichzeitig haben sie einen niedrigen Kalorien- sowie einen hohen Proteingehalt. Vegane Ersatzprodukte sind also nicht automatisch ungesünder als ihre Vorbilder und können durchaus bessere Nährwerte haben.
Pflanzliche Produkte erstmals günstiger
Aber wie sieht es preislich aus? Die deutsche Nichtregierungsorganisation ProVeg stellt regelmäßig vergleichende Warenkörbe mit veganen und nicht-veganen Produkten aus den Kategorien Aufschnitt, Bratwurst, Burger, Fischstäbchen, Frischkäse, Hack, Joghurt, Scheibenkäse, Kochcreme, Milch, Pizza und Schnitzel zusammen. In ihrer Erhebung im Jahr 2025 war der Warenkorb mit pflanzlichen Lebensmitteln bei sieben von acht Händlern günstiger als der mit tierischen.
„Bei Betrachtung ähnlicher Verpackungsgrößen ist der durchschnittliche pflanzliche Warenkorb 2025 erstmals fünf Prozent günstiger als sein tierisches Pendant“, berichtet ProVeg. „Dies ist eine Umkehrung gegenüber der Preisstudie 2024, als der pflanzliche Warenkorb noch 16 Prozent teurer war.“ In der Hälfte der zwölf untersuchten pflanzlichen Produktkategorien lagen die Preise unter denen vergleichbarer tierischer Produkte. Der Preisvergleich zeigte aber auch eine deutliche Spannbreite zwischen den Händlern: Bei Lidl waren pflanzliche Produkte im Durchschnitt 18 Prozent günstiger, bei Netto hingegen elf Prozent teurer als die tierischen Alternativen.
Wer sich vegan ernähren möchte – egal ob temporär im Veganuary oder langfristig – muss also weder um seine Gesundheit noch um seinen Geldbeutel fürchten.





