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Regionale Wasserknappheit macht Weizen global teurer
Erde & Umwelt

Regionale Wasserknappheit macht Weizen global teurer

Weizen reagiert sensibel auf Trockenheit in seiner Wachstumsphase. Was bedeuten Ernteausfälle durch Dürren für die Weizenpreise auf dem Weltmarkt? · Foto: © Slavica/ iStock

Dieser Sommer hat demonstriert, dass Trockenheit und Hitze die Landwirtschaft massiv beeinträchtigen und regional zu erheblichen Ernteausfällen führen können. Aber was passiert mit den weltweiten Getreidepreisen, wenn gleichzeitig mehrere wichtige Anbaugebiete unter Wasserknappheit leiden? Oder wenn regionale Dürren zeitlich dicht aufeinanderfolgen? Das haben Forschende jetzt näher untersucht.
Autor
Paula Meister
15. September 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Eine Dürre kann in einer einzelnen Agrarregion erhebliche Ernteausfälle verursachen. Doch was passiert, wenn mehrere wichtige Weizenanbaugebiete der Welt gleichzeitig von starker Wasserknappheit betroffen sind oder sich Dürren über mehrere Jahre hinweg wiederholen? Wird der auf dem Weltmarkt gehandelte Weizen dann deutlich teurer oder können die Verluste ausgeglichen werden?

Wie hängen Wasserknappheit und Weltmarktpreis zusammen?

Um das zu klären, hat Miroslav Trnka von der Mendel-Universität in Brünn gemeinsam mit einem internationalen Forschungsteam untersucht, wie stark Wasserknappheit während der Wachstumsphase der Pflanzen die weltweiten Getreidepreise beeinflusst. Dafür entwickelten sie zunächst einen globalen Indikator für schwere Wasserknappheit. Dieser erfasst je Pflanzenart kurz- und längerfristige Dürren in den vier Monaten vor der Ernte, in denen die Pflanzen besonders empfindlich auf Wassermangel reagieren. „Wenn die Böden während entscheidender Wachstumsphasen nicht ausreichend mit Feuchtigkeit versorgt werden, kann es zu Ernteausfällen kommen und die Lebensmittelpreise können steigen”, erklären die Forschenden.

Mithilfe dieses Indikators bestimmten Trnka und sein Team anschließend, wie stark die Anbauflächen von Weizen, Mais und Reis von regionalen Dürren betroffen sind, und verglichen die Daten mit den jeweiligen Weltmarktpreisen. Daraus entwickelten die Forschenden ein Modell zum Zusammenhang zwischen Wasserknappheit und Getreidepreisen für die Jahre 2001 bis 2021. Um mögliche zukünftige Entwicklungen zu untersuchen, wertete das Forschungsteam zudem Simulationen von insgesamt 31 globalen Klimamodellen aus. Die Forschenden konzentrierten sich in der Studie insbesondere auf Weizen, weil dieser für das globale Ernährungssystem von herausragender Bedeutung ist und häufig in Regionen mit begrenztem Wasserangebot angebaut wird.

Weltmarkt für Weizen am sensibelsten

Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen starker Wasserknappheit in Weizenanbaugebieten und dem globalen Weizenpreis. Laut dem Modell lassen sich zwischen 2000 und 2021 rund 74 Prozent der jährlichen Schwankungen der globalen Weizenpreise durch das Ausmaß der von Wasserknappheit betroffenen Anbauflächen erklären, bei Mais sind es bis zu 40 Prozent. Für Reis konnten die Forschenden dagegen keinen vergleichbaren Zusammenhang nachweisen. Die Forschenden testeten das Modell auch an Daten aus den Jahren 2022 bis 2024 – einem Zeitraum, der von außergewöhnlich starken Verwerfungen auf den Weltmärkten geprägt war. Auch für diesen Zeitraum bildete das Modell die Größenordnung und die Veränderungen der Weizenpreise grundsätzlich richtig ab.

Allerdings sind Ernteeinbußen durch Trockenheit nicht der einzige Faktor, der die globalen Weizenpreise beeinflusst. Auch Energie- und Düngemittelkosten, Lagerbestände, Wechselkurse, handelspolitische Entscheidungen, Markterwartungen, Schädlinge, Pflanzenkrankheiten und geopolitische Konflikte wirken sich auf die internationalen Agrarmärkte aus. Dennoch zeigt die Studie von Trnka und seine Kollegen, dass schwere Dürren, die mehrere große Weizenanbaugebiete gleichzeitig oder kurz nacheinander treffen, drastische Folgen für Länder, Haushalte und Menschen auf der ganzen Welt haben können.

Weizenpreise könnten in der Zukunft weiter steigen

Diese Erkenntnisse könnten angesichts des Klimawandels noch größerer Bedeutung erlangen. Denn die Modellsimulationen ergaben, dass sich Wasserknappheit in den Weizenanbaugebieten mit zunehmender Erderwärmung weiter ausbreitet, entsprechend steigen die Weizenpreise. Bei einer Erderwärmung um zwei Grad gegenüber dem Referenzzeitraum 1951 bis 1980 liegt der durchschnittliche Weizenpreis laut Modell bei rund 273 US-Dollar pro Tonne. Bei einer Erwärmung um drei Grad steigt er auf 364 US-Dollar pro Tonne. Das entspricht etwa dem Dreifachen des inflationsbereinigten globalen Weizenpreises im Jahr 2010.

„Die Ergebnisse verdeutlichen die Risiken, die der Klimawandel für die globale Ernährungssicherheit birgt “, schreiben Trnka und sein Team. Sie empfehlen deshalb, bei künftigen Bewertungen der globalen Ernährungssicherheit großräumige und wiederkehrende Ereignisse extremer Wasserknappheit, die mehrere wichtige Produktionsregionen gleichzeitig oder kurz nacheinander treffen, stärker einzubeziehen.

Quelle: Mendel Universität Brno. Fachartikel: Earth’s Future, doi: 10.1029/2025EF006095

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