Eine Dürre kann in einer einzelnen Agrarregion erhebliche Ernteausfälle verursachen. Doch was passiert, wenn mehrere wichtige Weizenanbaugebiete der Welt gleichzeitig von starker Wasserknappheit betroffen sind oder sich Dürren über mehrere Jahre hinweg wiederholen? Wird der auf dem Weltmarkt gehandelte Weizen dann deutlich teurer oder können die Verluste ausgeglichen werden?
Wie hängen Wasserknappheit und Weltmarktpreis zusammen?
Um das zu klären, hat Miroslav Trnka von der Mendel-Universität in Brünn gemeinsam mit einem internationalen Forschungsteam untersucht, wie stark Wasserknappheit während der Wachstumsphase der Pflanzen die weltweiten Getreidepreise beeinflusst. Dafür entwickelten sie zunächst einen globalen Indikator für schwere Wasserknappheit. Dieser erfasst je Pflanzenart kurz- und längerfristige Dürren in den vier Monaten vor der Ernte, in denen die Pflanzen besonders empfindlich auf Wassermangel reagieren. „Wenn die Böden während entscheidender Wachstumsphasen nicht ausreichend mit Feuchtigkeit versorgt werden, kann es zu Ernteausfällen kommen und die Lebensmittelpreise können steigen”, erklären die Forschenden.
Mithilfe dieses Indikators bestimmten Trnka und sein Team anschließend, wie stark die Anbauflächen von Weizen, Mais und Reis von regionalen Dürren betroffen sind, und verglichen die Daten mit den jeweiligen Weltmarktpreisen. Daraus entwickelten die Forschenden ein Modell zum Zusammenhang zwischen Wasserknappheit und Getreidepreisen für die Jahre 2001 bis 2021. Um mögliche zukünftige Entwicklungen zu untersuchen, wertete das Forschungsteam zudem Simulationen von insgesamt 31 globalen Klimamodellen aus. Die Forschenden konzentrierten sich in der Studie insbesondere auf Weizen, weil dieser für das globale Ernährungssystem von herausragender Bedeutung ist und häufig in Regionen mit begrenztem Wasserangebot angebaut wird.
Weltmarkt für Weizen am sensibelsten
Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen starker Wasserknappheit in Weizenanbaugebieten und dem globalen Weizenpreis. Laut dem Modell lassen sich zwischen 2000 und 2021 rund 74 Prozent der jährlichen Schwankungen der globalen Weizenpreise durch das Ausmaß der von Wasserknappheit betroffenen Anbauflächen erklären, bei Mais sind es bis zu 40 Prozent. Für Reis konnten die Forschenden dagegen keinen vergleichbaren Zusammenhang nachweisen. Die Forschenden testeten das Modell auch an Daten aus den Jahren 2022 bis 2024 – einem Zeitraum, der von außergewöhnlich starken Verwerfungen auf den Weltmärkten geprägt war. Auch für diesen Zeitraum bildete das Modell die Größenordnung und die Veränderungen der Weizenpreise grundsätzlich richtig ab.





