Würmer sind eigentlich eher wenig beliebte Wesen – doch dabei gibt es eine Ausnahme: Die Regenwürmer gelten als wichtige Nützlinge für den Menschen – und das zu Recht, denn sie tragen nachweislich in vielschichtiger Weise zur Bodenfruchtbarkeit bei. Grundsätzlich spielen sie durch die Umsetzung von organischer Substanz im Boden eine wichtige Rolle für die Stoffkreisläufe und die fortgesetzte Bereitstellung von Pflanzennährstoffen. Außerdem lockern sie durch ihre Grabarbeit den Boden auf und fördern damit das Wurzelwachstum und erhöhen die Wasserspeicher-Kapazität. Auch subtilere Positiveffekte haben Studien bereits aufgezeigt: Regenwürmer fördern demnach die Entwicklung weiterer nützlicher Bodenorganismen, regen eine günstige Hormonproduktion in Pflanzen an und schützen sie vor Krankheitserregern.
Nützlich – aber wie konkret?
Grundsätzlich ist also der positive Effekt der Regenwürmer bereits gut belegt und es gibt Einschätzungen ihres Beitrags zur Gesamtproduktivität bei bestimmten Kulturpflanzen. Doch die Forscher um Steven Fonte von der Colorado State University in Fort Collins haben die Erkenntnisse im großen Maßstab auf die landwirtschaftliche Produktion projiziert. „Es handelte sich unseres Wissens um die erste wissenschaftliche Untersuchung, die einen bestimmten Vertreter der biologischen Vielfalt des Bodens betrachtet, um der Frage nachzugehen, welchen Wert dieses Wesen für uns auf globaler Ebene besitzt”, sagt Fonte.
Für ihre Studie sammelten die Wissenschaftler Untersuchungsdaten zur Verbreitung und Häufigkeit von Regenwürmern in landwirtschaftlich genutzten Gebieten der Welt. Außerdem flossen in ihre Berechnungen verschiedene weitere Informationen wie die Bodenmerkmale und die Ernteerträge in den jeweiligen Regionen ein. Anhand der bekannten Positivwirkungen auf die Produktivität von Nutzpflanzen entwickelte das Team dann Hochrechnungen, um die Gesamtwirkung der Regenwürmer einzuschätzen. Die Forschenden konzentrierten sich dabei auf besonders wichtige Kulturpflanzen: Beim Getreide waren dies Reis, Mais, Weizen und Gerste. Daneben standen auch Hülsenfrüchte im Fokus, zu denen Sojabohnen, Erbsen, Kichererbsen und Linsen gehörten.
Große Bedeutung dokumentiert
Aus den Berechnungen ging hervor: Weltweit betrachtet ist die förderliche Wirkung der Regenwürmer für etwa 6,5 Prozent der Getreide- und für 2,3 Prozent der Hülsenfrüchteproduktion verantwortlich. Insgesamt entspricht dies einer Nahrungsmittelproduktion von über 140 Millionen Tonnen pro Jahr, ergaben die Berechnungen. Im Detail zeigte sich dabei, dass die Regenwürmer im globalen Süden eine größere Bedeutung besitzen als im Norden: In Afrika südlich der Sahara tragen sie demnach sogar zehn Prozent zum Ertrag beim Getreide bei und in Lateinamerika sind es acht.





