Ein internationales Forscherteam hat das genetische Signal identifiziert, das Bienen weiblich oder männlich macht. Damit ist nach über 150 Jahren die Frage geklärt, warum nur aus befruchteten Eiern weibliche Bienen entstehen können und männliche Bienen keinen Vater haben. Über ihre Ergebnisse berichten die Wissenschaftler aus Deutschland, den USA und Norwegen in der Fachzeitschrift Cell (Ausg. vom 22. August).
Schon 1845 entdeckte der polnische Geistliche Johann Dzierzon, dass männliche Bienen aus unbefruchteten Eiern ausschlüpfen, während befruchtete Eier weibliche Insekten hervorbringen. Erst jetzt konnten Martin Beye und Martin Hasselmann von der Martin-Luther-Universität in Halle/Wittenberg zusammen mit ihren amerikanischen und norwegischen Kollegen den Mechanismus dahinter aufdecken.
Befruchtete Eier besitzen zwei Kopien der Erbinformation: die der Mutter und die des Vaters. Nur wenn bei einem bestimmten, “csd” genannten Gen diese beiden unterschiedlichen Kopien zusammenarbeiten, entsteht ein spezielles Eiweißmolekül. Dieses Protein aktiviert verschiedene andere Gene und es entwickelt sich eine weibliche Biene. In unbefruchteten Eiern, die nur die mütterliche Kopie des Erbgutes besitzen, kann sich das Protein dagegen nicht bilden, und es entsteht ein männliches Tier. Einen ähnlichen Mechanismus fanden die Forscher auch bei anderen staatenbildenden Insekten wie Ameisen und Wespen.
Die Entdeckung der Wissenschaftler erklärt auch ein altes Problem der Bienenzüchter. Versuchen die Imker nämlich, durch Inzucht eine bestimmte Eigenschaft der Tiere zu verstärken, stirbt das Volk sehr schnell aus. Unter diesen Bedingungen erhalten befruchtete Eier zwar zwei Kopien des csd-Gens. Diese sind aber häufig identisch und können dann ebenfalls kein funktionsfähiges Eiweiß bilden. Ähnliche Mechanismen regulieren auch bei anderen staatenbildenden Insekten wie Ameisen und Wespen die komplexe Gesellschaftsstruktur innerhalb des Volkes, sagt Mitautor Robert Page.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





