Ohne Zucker leben Würmer länger: Fadenwürmer der Art Caenorhabditis elegans haben eine bis zu zwanzig Prozent höhere Lebenserwartung, wenn sie den Einfachzucker Glukose nicht nutzen können. Das haben Forscher um Michael Ristow von der Universität Jena herausgefunden. Auf ein Menschenleben übertragen wären das zusätzliche 15 Lebensjahre.
In Europa und den USA macht Zucker 15 bis 20 Prozent der täglichen Kaloriendosis der Bevölkerung aus. Durch Aufspaltung dieses Zuckers entsteht Glukose. Die Forscher blockierten in ihren Experimenten bei den Würmern nun mittels einer Chemikalie die Fähigkeit, Glukose zu verarbeiten. Die Tiere konnten daraufhin nicht mehr auf Glukose als Energiequelle zurückgreifen und ihre Lebenserwartung stieg.
Zum Ausgleich erhöhte sich die Aktivität der zelleigenen Kraftwerke, der sogenannten Mitochondrien. Auch wenn die Würmer später wieder Glukose als Energiequelle nutzen konnten, blieb ihre Langlebigkeit bestehen. Die erhöhte Aktivität der Mitochondrien steigerte die Produktion von freien Radikalen. Freie Radikale werden bislang als schädlich und lebensverkürzend angesehen. Die neuen Ergebnisse ließen jedoch vermuten, dass das nicht in allen Fällen zutreffend sei, erklärt Ristow.
Antioxidantien und Vitamine machten die lebensverlängernde Wirkung des Zuckerentzugs jedoch wieder zunichte, zeigten die weiteren Experimente. Das werfe Fragen auf über den weit verbreiteten Gebrauch von Antioxidantien als Nahrungsergänzungsmittel, sagen die Wissenschaftler. Allerdings sei eine Studie an Würmern nicht generell auf den Menschen übertragbar.
Tim J. Schulz (Universität Jena) et al.: Cell Metabolism, Band 6, Seite 280. ddp/wissenschaft.de ? Gesa Graser





