In der Aquakultur werden Wasserlebewesen wie Fische, Garnelen, Algen und Muscheln gezielt gezüchtet und in großen Käfigen oder Netzen gehalten. Während Algen und Muscheln ihre Nahrung einfach aus dem Wasser herausfiltern können, müssen Fische und Garnelen gefüttert werden. Ihre Nahrung besteht meist aus Fischmehl und -öl, das von Wildfischen stammt. Weil dafür trotzdem Fische gefangen werden müssen und das Fischfutter zudem das Meer verunreinigt und überdüngt, ist die Aquakultur umstritten. Dennoch wurde das System der Aquakultur beziehungsweise des Aquafarmings lange Zeit als Möglichkeit gehandelt, sich weitestgehend unabhängig von Wildfischbeständen zu machen, die Welt also ohne Überfischung der Meere ernähren zu können.
Bilanz aus 70 Jahren Aquakultur
Ob das wirklich so einfach geht, haben nun Forschende um Rashid Sumaila von der kanadischen University of British Columbia hochgerechnet. Dafür werteten sie öffentlich zugängliche Daten der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen aus. Darin waren die Produktionsmengen von gezüchteten Wassertieren und -pflanzen zwischen 1950 und 2018 für verschiedene Länder aufgeführt. Sumaila und seine Kollegen ermittelten daraus zunächst die zehn am häufigsten gezüchteten Arten und die führenden Fischzuchtländer weltweit.
Um herauszufinden, ob sich die Weltbevölkerung mit den gezüchteten Fischen, Muscheln und Algen ernähren lässt, errechnete das Team um Sumaila außerdem, wie stark die Produktion beliebter Meereslebwesen in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Anhand dessen prüfte es, ob die Menschheit im Jahr 2030 ihren Bedarf nach Fischen und Meeresfrüchten durch Aquakultur decken könnte. 173 Millionen Tonnen Wasserlebewesen wären dazu nötig, wie die Forschenden errechneten. Aktuell produzieren wir jedoch gerade einmal 82,2 Millionen Tonnen. Das Ziel ließe sich also nur mit hohen Wachstumsraten erreichen.
Welthunger nicht durch Aquafarmen zu sättigen
Doch das ist nicht in Aussicht: „Wir zeigen, dass die Wachstumsraten in der Aquakultur in allen untersuchten Fällen ihren Höhepunkt bereits erreicht haben und nun rückläufig sind“, berichten Sumaila und seine Kollegen. Dieser Höhepunkt habe bereits im Jahr 1996 stattgefunden. Zwar nimmt die Produktion der zehn wichtigsten Zuchtarten seitdem trotzdem weiter zu, aber dieser Zuwachs wird immer kleiner. Am stärksten von diesem Rückgang betroffen ist laut Forschenden die Aquakultur des Atlantischen Lachses. Lag ihre Zuwachsrate 1970 noch bei 314 Prozent, so ist sie mittlerweile auf 0,9 Prozent gesunken.
„Der globale Hunger nach Fisch und Meeresfrüchten kann nicht hauptsächlich durch Aquakultur gesättigt werden“, fasst Co-Autor Rainer Froese vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel zusammen. Selbst mit technologischen Innovationen ließe sich der Rückstand nicht mehr aufholen. Davon abgesehen würden mehr Tiere auch nicht direkt mehr Nahrung bedeuten. Große Aquafarmen sind nämlich anfällig für Krankheiten und giftige Algenblüten.





