Süßstoffkur für Mäuse
In einem ersten Versuch mischten die Forscher Mäusen entweder Sacharin, Aspartam oder Sucralose in einer der maximalen täglichen Verzehrempfehlung entsprechenden Dosierung ins Trinkwasser. Vor Beginn dieser Phase und nach Ablauf von zehn Wochen prüften sie, wie gut und schnell der Stoffwechsel der Mäuse eine hohe Dosis oral eingenommener Glukose verarbeiten kann. Dieser sogenannte Glukose-Toleranztest wird auch beim Menschen eingesetzt, um einen Diabetes oder beginnenden Diabetes zu diagnostizieren. Das Ergebnis: Die Mäuse, die die Süßstoffe konsumiert hatten, entwickelten im Laufe des Versuchs eine deutliche Glukose-Intoleranz – ihr Zuckerstoffwechsel funktionierte nicht mehr richtig.
Um herauszufinden, welche Rolle die Darmflora der Mäuse für diese Reaktion spielte, gaben die Forscher den Süßstoff-Mäusen nun hohe Dosen eines Antibiotikums. Und siehe da: Nach vier Wochen der Antibiotikabehandlung hatte sich die Glukosetoleranz der Mäuse wieder normalisiert, wie die Wissenschaftler berichten. Für sie war dies ein wichtiger Hinweis darauf, dass die Mikroben im Darm der Mäuse an diesem Effekt beteiligt waren. Um sicher zu gehen, machten sie nun den umgekehrten Test: Sie verpflanzten Proben der Darmflora von Süßstoff-trinkenden Mäusen auf mikrobenfreie Kontrollmäuse. Wie sich zeigte, genügte allein dieser Mikrobentransfer, um auch bei den zuvor völlig gesunden Kontrolltieren eine Glukoseintoleranz hervorzurufen. Nach Ansicht von Suez und seinen Kollegen belegt dies, dass Süßstoffe die Darmflora so verändern können, dass dies wiederum den Zuckerstoffwechsel stört.
Aber welche Veränderungen sind dies? Um dies herauszufinden, analysierten und verglichen die Wissenschaftler die Zusammensetzung der Darmflora bei Kontrollmäusen und den Süßstoffmäusen mit Hilfe von DNA-Analysen. Dabei zeigten sich tatsächlich deutliche Unterschiede, wie sie berichten. So waren Bakterien der Gruppe Bacteroides bei den Süßstoff-Mäusen ungewöhnlich stark vertreten, Bakterien der Clostridiales dagegen unterrepräsentiert. Zudem waren in der Darmflora zahlreiche Enzyme und Stoffwechselwege aktiv, die die Energieaufnahme aus der Nahrung erhöhen und bereits dafür bekannt sind, Übergewicht zu fördern, wie die Forscher berichten.
Gleiche Wirkung beim Menschen
Die entscheidende Frage aber war, ob sich Süßstoffe auch beim Menschen auf diese Weise auswirken. Auch dies haben die Forscher in einer kleinen Pilotstudie getestet – mit erschreckend deutlichen Ergebnissen: Sieben Probanden, die normalerweise keine Süßstoffe nutzen, bekamen im Versuch täglich die von der US-Lebensmittelbehörde empfohlene maximale tägliche Verzehrmenge Sacharin von 5 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Schon nach vier Tagen dieser Süßstoff-Diät verschlechterte sich die anfänglich normale Glukose-Toleranz bei vier Teilnehmern signifikant, nur bei dreien blieb sie unverändert, wie die Forscher berichten. Analysen ergaben, dass die Darmflora der Probanden auf ähnliche Weise verändert war, wie die Wissenschaftler dies zuvor an den Mäusen beobachtet hatten.





