Sojabohnen enthalten ein Eiweiß, das bei Mäusen die Entstehung von Hauttumoren hemmt. Der Wirkstoff mit der Bezeichnung Lunasin bindet an Proteinkomponenten der Chromosomen, den so genannten Histonen. Das bremst die Zellteilungsaktivität und blockiert die Umwandlung in eine Krebszelle. Darüber berichten Wissenschaftler der University of California in Berkeley im Fachblatt Cancer Research.
Die Arbeitsgruppe um Ben de Lumen hatte bereits früher nachgewiesen, dass das Sojaprotein Lunasin die Teilung von Krebszellen in Zellkulturen hemmt. Jetzt überprüften die Wissenschaftler, ob die Substanz auch die Entstehung von Krebszellen in Mäusen verhindern kann. Über einen Zeitraum von 19 Wochen behandelten die Forscher die Haut der Tiere mit unterschiedlichen Mengen des Proteins. Als die Mäuse dann der Wirkung Krebs auslösender Chemikalien ausgesetzt wurden, bildeten sie bis zu 70 Prozent weniger Hauttumore als die unbehandelten Kontrolltiere.
In Versuchen mit Zellkulturen wiesen die Wissenschaftler nach, dass Lunasin an Histone bindet und damit deren Acetylierung verhindert. Eine chemische Veränderung durch Acetylgruppen kann unkontrolliertes Zellwachstum auslösen. “Wir glauben, dass sich Lunasin wie ein Wachhund verhält: Sobald eine Krebszelle entsteht, greift es ein”, sagt de Lumen. Die Lunasin-Forschung stehe aber erst am Anfang. Eine spätere Anwendung als Antikrebsmittel sei aufgrund der bisherigen Ergebnisse aber denkbar. Noch ist nicht nachgewiesen, ob es ausreichen würde, das Sojaprotein mit der Nahrung aufzunehmen. “Die naheliegendste Anwendung unserer Ergebnisse bestünde darin, ein Produkt für die Haut zu entwickeln ? vielleicht als Bestandteil einer Sonnenschutzcreme”, sagt de Lumen.
Aus verschiedenen Studien geht hervor, dass sich Sojaprodukte als Nahrungsbestandteil positiv auf die Gesundheit auswirken. So wird die im Vergleich zu westlichen Ländern geringe Häufigkeit bestimmter Krebsformen und Herzerkrankungen in Japan und China auch auf einen höheren Konsum an Sojabohnen zurückgeführt.
Joachim Czichos





