Das Leben vieler Stadtbewohner ist von Büroarbeit und einem Umfeld aus grauen Häuserfassaden und versiegelten Flächen geprägt. Viele sehnen sich deshalb nach grünen Inseln und auch nach einer „handfesten“ Beziehung zur Natur. Zahlreiche Studien verdeutlichen zudem die erhebliche Bedeutung von Naturerfahrungen für das Wohlbefinden und die geistige Gesundheit von Menschen. Neben Parks und Grünstreifen besitzen dabei die urbanen Gärten eine wichtige Bedeutung. Neben den Kleingarten-Anlagen haben sich in einigen Städten auch Gemeinschaftsgarten-Projekte entwickelt, die Möglichkeiten zur Gartenarbeit bieten sowie sozial-kulturelle Funktionen erfüllen.
Der wissenschaftlichen Untersuchung verschiedener Aspekte der urbanen Gärten widmet sich das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt „GartenLeistungen“. „Indem wir die Leistungen von Grünflächen abbilden und mit einem Geldwert beziffern, wollen wir sichtbar machen, wie stark die Menschen in der Stadt von Gärten profitieren“, sagt Projektleiter Jesko Hirschfeld vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW).
Beitrag zur Nahrungsversorgung
Dazu präsentieren sie nun Auswertungsdaten, die aus Berlin und Stuttgart stammen. Einen Aspekt bildete dabei die landwirtschaftliche Produktionsleistung der urbanen Gärten. Dazu wurden aus verschiedenen Quellen die Gartenflächen in Berlin und Stuttgart ermittelt. Dabei haben die Wissenschaftler Kleingarten-Anlagen, Gemeinschaftsgärten und Mietäcker mit in die Erhebung einbezogen, die innerhalb der Berliner sowie Stuttgarter Stadtgrenzen liegen. Wie viel Gemüse in den Gärten geerntet wird, konnte dabei mithilfe von Erhebungen und Hochrechnungen ermittelt werden.
Wie die Forscher berichten, verdeutlichten ihre Ergebnisse, dass urbanes Gärtnern nicht nur eine sinnstiftende Freizeitbeschäftigung ist, sondern auch zur lokalen, nachhaltigen Lebensmittelproduktion beitragen kann. Demnach ernten die urbanen Gärtner in Berlin 7,6 und in Stuttgart 4,4 Millionen Kilogramm Gemüse, Kräuter und Kartoffeln während der Gartensaison. Gemessen am durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch von Gemüse kann die Ernte in Berlin damit 50.000 Menschen für ein Jahr mit frischem Gemüse versorgen und in Stuttgart sind es etwa 30.000 Personen. Der monetäre Wert der Ernteerträge liegt dabei bei knapp zehn Millionen Euro in Berlin und 5,8 Millionen in Stuttgart, berichtet das IÖW.
Um städtische Gärten erblüht die Nachbarschaft
Als noch wertvoller stufen die Forscher aber die sozialen und kulturellen Leistungen der urbanen Gärten ein. Doch wie lässt sich dies messen und mit Geldwerten ausdrücken? Wie das Team erklärt, ist eine solche Bewertung möglich, wenn man bei Umfragen mit sogenannten Choice-Experimenten die Zahlungsbereitschaft der Stadtbewohner erhebt. Dabei wird unter anderem die Frage gestellt, wie viel Stadtbewohner bereit wären, für eine Gartenanlage mit bestimmten Eigenschaften zu bezahlen. Berechnet haben die Wissenschaftler diese Bereitschaft unter anderem im Fall des Weddinger Gemeinschaftsgartens „Himmelbeet“. Das Projekt bietet Gartenfreunden 300 Hochbeete, Pflanzen, Materialien und ein Café-Gebäude. Als nachbarschaftlicher Treffpunkt mit kulturellen Angeboten und als naturnaher Erholungsraum stiftet der Garten einen gesellschaftlichen Nutzen von 1,5 Millionen Euro jährlich, haben die Forscher errechnet. Bei Stuttgart rücken sie das ähnliche Projekt „Stadtacker Wagenhallen“ in den Fokus. Rechnet man in diesem Fall die Wertschätzung der Anwohner zusammen, ergibt sich ein Wert von über 300.000 Euro pro Jahr.





