Wissenschaftlern von der Universität Heidelberg ist es gelungen, ein Protein zu identifizieren, das große Bedeutung für die Behandlung von Störungen des Fettstoffwechsels hat. Dabei handelt sich um das Rezeptormolekül für Nikotinsäure, dessen Existenz seit über zwanzig Jahren postuliert wird.
Schon seit langer Zeit wird postuliert, dass der fettspaltende Effekt der Nikotinsäure durch einen spezifischen Rezeptor vermittelt wird. Dem Forscherteam um Stefan Offermanns, Direktor des Instituts für Pharmakologie der Universität Heidelberg, ist es gelungen, diesen Rezeptor dingfest zu machen, berichten sie in der März-Ausgabe der Fachzeitschrift “Nature Medicine”. In Zellkulturen stellten sie gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universitäten München und Düsseldorf fest, dass Nikotinsäure ihre Wirkung nur auf Zellen ausübt, die PUMA-G, den Nikotinsäurerezeptor von Mäusen, beziehungsweise das menschliche Gegenstück HM-74 auf ihrer Oberfläche tragen.
Außerdem untersuchten sie genetisch veränderte Mäuse, deren Fettzellen keinen PUMA-G-Rezeptor besitzen. Bei diesen Tieren konnte die Nikotinsäure – im Gegensatz zu normalen Mäusen – die freien Fettsäuren im Blut nicht mehr reduzieren. Damit hatten die Wissenschaftler bewiesen, dass es sich bei PUMA-G und HM-74 um diejenigen Rezeptoren handelt, die die Wirkung der Nikotinsäure vermitteln.
“Nachdem der Rezeptor für Nikotinsäure nun bekannt ist, kann gezielt nach effektiveren Wirkstoffen mit weniger Nebenwirkungen gesucht werden”, erklärt Offermanns. Nikotinsäure selbst ist zwar durchaus wirksam und wird seit nahezu 50 Jahren als Fettsenker eingesetzt, die Substanz muss allerdings in sehr hohen Dosen verabreicht werden und führt daher häufig zu unangenehmen Nebenwirkungen wie Juckreiz, Hautrötung, Sodbrennen, und zum Teil sogar zu Leberschäden. Die Hoffnung auf einen therapeutischen Fortschritt ist jedoch durchaus begründet: Nikotinsäure lässt das “gute” Blutfett HDL-Cholesterin wesentlich stärker ansteigen, als Statine dies tun.
Störungen der Blutfette gehören zu den wesentlichen Risikofaktoren für arteriosklerotische Erkrankungen von Herz und Kreislauf – und damit für Herzinfarkt und Schlaganfall. Als vorbeugende Therapie werden lipidsenkende Medikamente verordnet, meistens Statine und Fibrate, die an unterschiedlichen Stellen in den Fettstoffwechsel eingreifen. Aber auch die Nikotinsäure, ein Mitglied der Vitamin-B-Familie, wird seit langem eingesetzt.
idw





