Der Gefährdungsstatus von Tieren und Pflanzen wird nicht nur weltweit erhoben, sondern auch auf Bundesebene. Rund alle zehn Jahre erscheinen aktualisierte Versionen dieser deutschen Roten Listen für Tiere, Pflanzen und Pilze. Nun ist die neueste Rote Liste der Süßwasserfische und Neunaugen veröffentlicht worden. Zusammengetragen wurde sie von Fachleuten des Museums für Naturkunde Berlin, des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung, des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei, des Rote-Liste-Zentrums sowie von Vertretern aller Bundesländer.
Zehn Prozent der heimischen Arten ausgestorben
Die neue Rote Liste zeigt: Um Deutschlands Süßwasserfische und Neunaugen steht es schlecht. Mehr als die Hälfte von ihnen sind mittlerweile entweder gefährdet oder sogar bereits ausgestorben. In konkreten Zahlen ausgedrückt sind aktuell 38 Arten bestandsgefährdet, 2009 waren es noch 22. Elf Fischspezies sind sogar akut vom Aussterben bedroht, darunter der Atlantische Lachs und das Meerneunauge. Neun Arten hat dieses Schicksal hierzulande bereits ereilt, zum Beispiel den Europäischen Stör und den Bodensee-Kilch. Damit gelten nun zehn Prozent der heimischen Süßwasserfische und Neunaugen als ausgestorben. Zum Vergleich: Der europäische Durchschnitt liegt gerade einmal bei 2,5 Prozent.
Auch die Kategorie der gefährdeten Arten sorgt für einige Negativüberraschungen. So gelten etwa sieben der darin gelisteten Arten als endemische Arten, die ausschließlich in Deutschland vorkommen. Wenn sie hierzulande aussterben, dann verschwinden diese Spezies auch weltweit komplett. In diese Kategorie fallen zum Beispiel der Ammersee-Kilch und die Fontane-Maräne, aber auch Chiemsee-Renke und Schaalsee-Maräne. Ein weiterer Grund zur Sorge: Mittlerweile gelten auch 30 Prozent jener Arten als gefährdet, die eigentlich einmal zahlreich in Deutschland vorkamen. Dazu zählt etwa die bei Anglern beliebte Brasse, deren Bestände seit 20 Jahren zurückgehen. Aber auch die Forelle ist nun erstmals als gefährdet eingestuft worden, weil ihre Bestände in fünf Bundesländern rückläufig sind.
Klimawandel und menschliche Eingriffe schuld
Den hitzeempfindlichen Forellen machen vor allem die jüngsten Dürre- und Hitzejahre zu schaffen, wie Jörg Freyhof vom Museum für Naturkunde Berlin erklärt. Dem Lachs setzen wiederum künstliche Barrieren wie Wehre und Schleusen stark zu. Auf den Wanderungen zu seinen Laichgründen stellen sie für ihn häufig unüberwindbare Hindernisse dar. Andere Fische leider unter Flussbegradigungen, die vielerorts wertvolle Lebensräume wie Seitenarme und Auen verschwinden lassen. Hinzu kommen Gewässerverschmutzungen wie jene, die 2022 zum dramatischen Fischsterben in der Oder geführt hat. Auch die Verbreitung invasiver Arten wie der Regenbogenforelle oder dem Sonnenbarsch schadet den heimischen Fischen. Sie finden durch die zunehmende Konkurrenz zum Beispiel weniger Nahrung, enden selbst als Beute der Exoten oder stecken sich mit gefährlichen Krankheiten an.





