Direkt nach dem Aufwachen sind Reaktionszeit und geistige Leistungsfähigkeit schlechter als nach einer durchwachten Nacht. Das gilt selbst dann, wenn der Betreffende zuvor eigentlich ausreichend geschlafen hat, haben amerikanische Forscher in einer kleinen Studie mit acht Freiwilligen nachgewiesen. Besonders in den ersten zehn Minuten nach dem Aufwachen schnitten die Probanden dabei selbst in einem einfachen Rechentest extrem schlecht ab. Dieser Effekt sei besonders für Notärzte alarmierend, die häufig aus dem Schlaf aufgeschreckt werden und dann sofort komplexe medizinische Maßnahmen einleiten müssen, so die Forscher.
Als Vorbereitung auf die eigentliche Studie wurden die Probanden instruiert, drei Wochen lang jede Nacht acht Stunden zu schlafen. Anschließend zogen sie für eine Woche ins
Schlaflabor, wo sie unter Aufsicht ebenfalls pro Nacht acht Stunden lang schliefen. Nach der sechsten Nacht folgte ein 26-stündiger Schlafentzug. An diesem letzten Studientag absolvierten die Teilnehmer mehrmals einen Additionstest, zum ersten Mal direkt nach dem Aufwachen, dann zwanzig, vierzig und sechzig Minuten später und schließlich alle zwei Stunden bis zum Ende der Untersuchungsdauer.
Das Ergebnis: Eine Minute nach dem Aufwachen erreichten die Probanden gerade einmal 65 Prozent ihrer sonstigen Leistungsfähigkeit. Das war das schlechteste Ergebnis aller Tests, schreiben die Forscher. Selbst nach 26 Stunden ohne Schlaf schnitten die Probanden mit etwa 85 Prozent ihrer maximalen Punktzahl deutlich besser ab.
Die Wissenschaftler halten diese Werte für sehr alarmierend. Nicht nur Ärzte, auch medizinisches Personal, Piloten und Fernfahrer müssen in Bereitschaftsdiensten schließlich immer wieder kurz nach dem Erwachen aus einem kurzen Schlaf wichtige Entscheidungen treffen und komplexe Tätigkeiten durchführen. Zwar habe sich in dieser Studie die eingeschränkte Leistungsfähigkeit nach 20 bis 30 Minuten wieder normalisiert, es gebe jedoch auch Berichte darüber, dass die Beeinträchtigung bis zu einer Stunde anhalten kann. Man müsse sich klarmachen, dass bereits ein Schlafentzug von 24 Stunden ähnliche Auswirkungen haben könne wie Alkoholkonsum ? und die Benommenheit nach dem Aufwachen noch deutlich gravierender sei, kommentieren die Forscher.
Adam Wertz (Universität von Colorado, Boulder) et al: JAMA, Bd. 295, S. 163 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel