Zwei Bochumer Forschergruppen ist es erstmals gelungen, die Funktion von Geruchsrezeptoren bei Insekten direkt zu belegen. Für den Nachweis hatten die Wissenschaftler Fruchtfliegen gezüchtet, die den Duft von Marzipan besonders gut riechen. Und selbst Froscheier, die man mit den Genen der Fruchtfliege behandelt hatte, gerieten beim Geruch von Marzipan in Erregung.
Im vergangenen Jahr war in den Antennen der Fruchtfliege eine Genfamilie identifiziert worden, die die Information für 60 Rezeptorproteine enthielt. Unklar blieb jedoch, ob diese Rezeptoren tatsächlich Gerüche erkennen können.
Um die Frage zu beantworten, veränderten die Wissenschaftler um Klemens Störtkuhl Fruchtfliegen genetisch so, dass sie das Rezeptorprotein OR43a vermehrt in den Geruchsnerven der Antennen produzierten. Die wenige Millimeter großen Tierchen bekamen dann Elektroden auf ihre Antennen gesetzt und wurden nach und nach mit 24 verschiedenen Standarddurftstoffen berieselt. Auf den Geruch von Benzaldehyd, das nach Marzipan duftet, reagierten die veränderten Fliegen doppelt so stark wie der unveränderte Wildtyp. Damit ist bewiesen, dass das Rezeptorprotein OR43a tatsächlich zur Wahrnehmung von Dürfen dient.
Die zweite Bochumer Arbeitsgruppe bestätigte das Ergebnis mit einem anderen Experiment: Sie injizierten die Fruchtfliegen-DNA, die die Erbinformation für das Rezeptorprotein OR43a enthielt, in eine unbefruchtete Frosch-Eizelle. Nach wenigen Tagen reagierten auch die behandelten Eizellen mit einem erhöhten Erregungspotential auf den Duft von Marzipan.
Brigitte Kranz





