Bisher ist Deutschland relativ wasserreich, hierzulande fällt meist genügend Niederschlag, um Gewässer und Grundwasser aufzufüllen und so die Wasserentnahme für Trinkwasser, Industrien und Landwirtschaft auszugleichen. Doch durch den Klimawandel beginnt sich dies zu ändern: Sommerliche Hitzewellen und Trockenperioden nehmen zu und gleichzeitig steigt die Verdunstung aus Böden und Vegetation. Studien zufolge hat Deutschland dadurch in den letzten rund 20 Jahren rund 15,2 Milliarden Tonnen Wasser aus seinen natürlichen Wasserspeichern verloren. In den letzten Jahren ist es zudem häufiger zu Trockenheit und dürrebedingten Ernteausfällen gekommen.
Bodenfeuchte im Frühjahr entscheidend
Ob diese Dürren bloße Ausreißer sind oder ein Trend, haben nun Emily Black von der University of Reading und ihre Kollegen näher untersucht. Dafür analysierten sie mithilfe von Klimadaten und Modellierungen, ob und wie der Klimawandel die Bodenfeuchte während der Vegetationsperioden beeinflusst – also in der Jahreszeit, in der die Pflanzen am meisten Wasser benötigen. Schon frühere Studien hatten nahegelegt, dass das Wetter im Frühjahr entscheidend dafür ist, ob sich im Sommer eine Dürre entwickelt oder nicht. “Unsere Analyse der Bodenfeuchte zu Beginn der Wachstumsperiode und ihrer Schwankungen während der Vegetationsperiode zeigen die Verknüpfung des Klimawandels zur Wasserbalance der Landoberfläche auf”, erklärt das Team.
Tatsächlich bestätigten die Ergebnisse der Analysen, dass die Niederschlagsmenge per se nicht ausreicht, um landwirtschaftliche Dürren zu verhindern. Entscheidend ist vielmehr, dass die Böden im Frühjahr genug Wasser erhalten, aber dies wird mit zunehmender Erwärmung schwieriger. Der Grund: „Der Klimawandel erwärmt die Luft, wodurch mehr Wasser aus dem Boden und den Pflanzen verdunsten”, erklärt Black. “Das lässt die Felder sogar dann austrocknen, wenn mehr Regen fällt – besonders im Frühjahr.” Zwar sagen Klimaprognosen für viele Regionen, darunter auch Teile Deutschlands, zunehmende Niederschläge voraus. Diese fallen jedoch oft als kurze, aber heftige Starkregen oder im Winter. Im Frühjahr und Sommer kann die Bodenfeuchte daher trotzdem unter die für das Pflanzenwachstum kritische Schwelle sinken.
Mitteleuropa gehört zu den Hotspots
Von solchen landwirtschaftlichen Dürren trotz Regen ist auch Mitteleuropa betroffen. “Wir haben mehrere Hotspots für sich verschlimmernde landwirtschaftliche Dürren identifiziert. Dazu gehören der Westen Nordamerikas, Westeuropa und die mittleren Breiten Mittel- und Osteuropas”, berichten Black und ihr Team. Auf der Südhalbkugel gilt dies für den Südwesten Afrikas, Teile Amazoniens und den Norden Südamerikas. “Damit übereinstimmend sind landwirtschaftliche Dürre-Ereignisse in den meisten dieser Regionen schon jetzt häufiger geworden”, schreiben die Forschenden. “Prognosen zufolge wird sich dieser Trend im Verlauf des 21. Jahrhunderts weiter verstärken.”
Als Folge wären viele für die Getreideproduktion und andere Grundnahrungsmittel wichtige Anbaugebiete betroffen. “Landwirte werden trockenheitsresistentere Pflanzen und bessere Methoden des Wassermanagements benötigen“, sagt Black.
Quelle: University of Reading; Fachartikel: Nature Geoscience, doi: 10.1038/s41561-025-01898-8)





