Weil die Verbrennung von Erdgas im Verhältnis zu Kohle weniger klimaschädliche Emissionen verursacht, galt es lange als Brückentechnologie im Klimaschutz. In Europa hat sich dies durch den Ukrainekrieg, den Konflikt mit Russland und den mangelnden Gasnachschub zwar geändert, in anderen Regionen der Erde gilt dies jedoch noch immer. Allerdings gilt der relative Klimavorteil für Gas nur dann, wenn das Erdgas vollständig verbrannt wird und möglichst kein Methan unverbrannt in die Atmosphäre entweicht. Denn Methan ist ein hochpotentes Treibhausgas, das eine weit höhere Treibhauswirkung entfaltet als Kohlendioxid. Studien belegen jedoch, dass über Lecks in Pipelines, an Verteilerstationen oder durch unzureichende Verbrennung beim Kochen und Heizen unkontrollierte Methanleckagen von 0,1 bis über fünf Prozent des Verbrauchs auftreten können. Bisher wurden diese Freisetzungen jedoch oft nur zum Teil in die Klimabilanz für die Erdgasnutzung mit einbezogen.
Erdgas oder Strom?
Hinzu kommt ein zweiter Aspekt: Erdgas ist zwar in der Regel klimafreundlicher als Kohle – aber wie sieht es im Vergleich zum Kochen und Heizen mit elektrischem Strom aus? „Wir wollten wissen, ob es – auch unter Berücksichtigung der Gasleckagen – klimafreundlicher ist, Gas für das Heizen und Kochen zu nutzen oder Elektrizität“, erläutert Erstautor Florian Dietrich von der Technischen Universität München. Klar ist, dass dies entscheidend davon abhängt, welcher Energiemix in einem Land oder einer Region für die Stromerzeugung verwendet wird. Nutzt man beispielsweise primär Strom aus Kohle, kann die Klimabilanz des elektrischen Kochens und Heizens schlechter ausfallen als die von Gas. Bei einem hohen Anteil “grünen” Stroms aus erneuerbaren Energien sieht dies umgekehrt aus, vor allem, wenn im Erdgassystem noch erhebliche Leckagen dazu kommen. Dann kann das Kochen und Heizen mit Strom die klimafreundlichere Alternative sein – sofern genug “grüner” Strom verfügbar ist.
Dietrich und sein Team haben nun für 25 Länder untersucht, welche Energiequelle beim Kochen und Heizen dort heute die klimafreundlichere ist. Ausgewählt haben sie dabei die Länder, die mindestens zu 0,5 Prozent zum jährlichen Erdgasverbrauch beitragen und bei denen erneuerbare Energien schon mindestens zehn Prozent zum Strommix beitragen. “Denn wir wollten in dieser Studie primär untersuchen, wie und ab wann ein zunehmender Anteil an erneuerbaren Energien die Nutzung von Strom klimafreundlicher macht als Erdgas”, erklärt das Team. Dadurch fielen viele Länder des Nahen und Mittleren Ostens raus, 25 Länder blieben übrig, darunter auch Deutschland. “Diese 25 Länder sind zusammen für 75 Prozent des weltweiten Erdgasverbrauchs verantwortlich”, berichten Dietrich und seine Kollegen. “Allein die USA machen 21,7 Prozent aus, gefolgt von Russland mit 12,4 und China mit 5,4 Prozent Anteil am Erdgasverbrauch.” Mithilfe von länderspezifischen Daten zum Strommix, zu Leckagen und den Emissionen ermittelten die Wissenschaftler für jedes Land einen umfassenden Emissionsfaktor für die Verwendung von Erdgas oder Strom zum Kochen und Heizen.





