Abgesehen von den anatomischen Unterschieden gibt es dabei vor allem zwei Kritikpunkte: Die Labormäuse haben meist viele Generationen Inzucht hinter sich, damit alle Tiere möglichst gleich reagieren. Und sie haben nie gelernt, sich in einer natürlichen Umgebung zu behaupten – auch die meisten Experimente finden unter völlig unnatürlichen Bedingungen statt. Das ist ausreichend, so lange man ausschließlich biologische Mechanismen aufklären möchte. Geht es jedoch um die Auswirkungen bestimmter Faktoren wie beispielsweise ihre Ernährung oder potenzielle Giftstoffe auf Leben und Gesundheit der Tiere, könne dieser Ansatz einfach nicht ausreichen, um wirklich belastbare Ergebnisse zu erhalten, erläutern James Ruff von der University of Utah und sein Team.
Neue Wege, bessere Bedingungen
Die Forscher haben daher bei ihrer aktuellen Untersuchung vieles anders gemacht als ihre Kollegen. Denn sie wollten wissen, was passiert, wenn Mäuse mehr Zucker als üblich fressen – und zwar nicht in den großen Mengen, die normalerweise in Mäuse-Experimenten eingesetzt werden, denn liegen weit jenseits dessen, was ein Mensch normalerweise zu sich nimmt. Das Team entschied sich vielmehr für eine Menge, die für viele Menschen völlig alltäglich ist: Ein Viertel der Kalorien ihrer Testmäuse stammte aus zugesetztem Zucker, und zwar je zur Hälfte aus Glukose und aus Fruktose, wie es auch in vielen industriell hergestellten Lebensmitteln der Fall ist. Im Endeffekt bekamen die Tiere also das Pendant einer gesunden, ausgewogenen Ernährung plus drei Dosen Limonade täglich, erläutert das Team.
Auch bei der Auswahl ihrer Mäuse gingen die Wissenschaftler nicht den üblichen Weg: Sie setzten auf herkömmliche Hausmäuse statt auf die überzüchteten Labortiere. Im Gegensatz zu letzteren wetteifern diese Tiere ständig um Nahrung, Territorien und Partner – ein Verhalten, das sich auch in der Natur beobachten lässt. Damit diese Besonderheit auch während der Experimente erhalten blieb, durften die Nager ihre beengten Käfige gegen eine Behausung austauschen, die von den Forschern scherzhaft “Mäuse-Scheune” genannt wird: Es handelte sich um einen 35 Quadratmeter großen Raum, der in verschiedene Bereiche mit jeweils einer Nistbox eingeteilt ist. Abgeteilt sind die Bereiche mit Maschendraht, über den die Mäuse problemlos klettern können.
Der Clou dabei: Einige der Bereiche sind begehrter als andere, denn ihre Nistboxen sind exakt so, wie Mäuse es lieben – dunkel, mit einem schmalen Eingang und einem optimalen Zugang zu Futter und Wasser. Andere sind eher nicht so großartig: Hier müssen die Tiere ihre Jungen auf einer Art offenen Plattform zur Welt bringen. Mit diesem Prinzip, erläutern die Forscher, lässt sich prima überprüfen, wie dominant einzelne Tiere sind und wie gut sie sich gegen ihre Artgenossen behaupten können.





