Genau dies macht gerade die Region entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze zu einem perfekten Freilandlabor für Ökologen. Denn hier liegen die großen Feldflächen der Ostlandwirtschaft unmittelbar neben den bis zu sechsfach kleineren Felder der Westbauern. Wegen der räumlichen Nähe aber sind Klima und Umweltbedingungen für beide Gebiete gleich. Batary und seine Kollegen nutzen daher die Gelegenheit, um den Einfluss der Feldgröße auf die Artenvielfalt und die Erträge direkt zu vergleichen. Dafür untersuchten sie die Zahl der Pflanzen- und Tierarten sowohl an den Feldrändern als auch im Feldzentrum bei zweimal neun Ost-West-Paaren von Winterweizenfeldern. Ein Teil der Felder hüben wie drüben war konventionell bewirtschaftet, der andere in ökologischer Landwirtschaft. “Das ermöglicht es uns, die Effektivität der ökologischen Landwirtschaft für die Artenvielfalt bei beiden Feldgrößen zu untersuchen”, erklären die Forscher. Aber auch die Wirtschaftlichkeit beider Feldtypen ermittelten sie.
Feldgröße genauso wichtig wie Bewirtschaftungsart
Das Ergebnis: Die ökologische Landwirtschaft ist profitabler als viele annehmen. Zwar erwirtschafteten sowohl bei den großen als auch den kleinen Feldern die Biobauern nur rund halb so viel Ertrag wie die konventionellen, dafür aber brachte ihre Ernte deutlich mehr Geld ein. Miteinander verrechnet ergab sich ein fast doppelt so hoher Profit für die ökologische Landwirtschaft, wie die Forscher berichten. Unabhängig von der Bewirtschaftungsart erbrachten zudem die größeren Felder mehr Gewinn als die kleineren. “Großräumigkeit führte zu keinem höheren Ertrag, aber zu 50 Prozent mehr Gewinn für die Landwirte – wegen der geringeren Produktionskosten”, berichtet Batary.
Wie aber wirken sich Anbauform und Feldgröße auf die Artenvielfalt aus? Wie erwartet, förderte eine Bewirtschaftung ohne Pestizide und mit verringerter Düngung die Biodiversität. “Die ökologisch bewirtschafteten Felder beherbergten mehr Arten und Individuen von allen untersuchten Tier- und Pflanzengruppen”, berichten Batary und seine Kollegen. “Der Effekt war dabei für die Pflanzen mit 44 Prozent Unterschied am größten.” Doch noch stärker als die Frage ob konventionell oder ökologisch bewirtschaftet, machte sich die Feldgröße in der Bilanz der Artenvielfalt bemerkbar: “Die meisten Arten und ihre Populationen waren auf die Feldränder begrenzt”, so die Forscher. Weil die kleineren Felder im Westen mehr Hecken und Randstreifen im Verhältnis zu ihrer Fläche besitzen, bieten sie Tier- und Pflanzenarten auch mehr nutzbaren Lebensraum. Als Folge ist auch die Artenvielfalt höher. “Wenn wir neun kleine Felder im Westen haben, beherbergen sie mehr Arten als vier große Felder mit gleicher Gesamtfläche im Osten – unabhängig von der Bewirtschaftungsart”, berichten Batary und seine Kollegen.





