Treue wird von einem einzigen Gen entscheidend beeinflusst: Bei Wühlmäusen sorgt die Aktivität des so genannten Vasopressin-Rezeptor-Gens für eine Verwandlung von promiskuitiven Mäusemännern in getreue Gatten. Das entdeckten amerikanische Wissenschaftler. Die Anzahl der Rezeptoren im Belohnungszentrum des Gehirns kann sich demnach entscheidend auf das soziale Verhalten auswirken. Miranda Lim und ihre Kollegen von der Emory-Universität in Atlanta berichten über ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Nature (Bd. 429, S. 754).
In ihren Experimenten verglichen die Wissenschaftler zwei Arten von Wühlmäusen: Männchen der Wiesenwühlmaus (Microtus pennsylvanicus) wechseln häufig ihre Partnerin, während Präriewühlmäuse (Microtus ochrogaster) monogame Beziehungen eingehen. Bei den Präriewühlmäusen entdeckten die Forscher einen erhöhten Anteil an Vasopressin-Rezeptoren im Belohnungszentrum des Gehirns. Die Wissenschaftler vermuteten daher einen Zusammenhang zwischen treuem Verhalten und Rezeptor. Sie schleusten deshalb das Rezeptor-Gen, genannt V1aR, in das Gehirn der Wiesenwühlmäuse ein und stellten fest, dass durch die vermehrte Genaktivität auch die Wiesenwühlmaus-Männchen getreu an ihrer derzeitigen Mäusedame festhielten.
Bisher hatten Forscher angenommen, soziale Beziehungen würden ausschließlich durch das komplexe Zusammenspiel verschiedener Faktoren bestimmt. Doch nach den Ergebnissen von Lim und ihren Kollegen kann offensichtlich schon die Aktivität eines einzigen Gens einen entscheidenden Einfluss auf eine so grundlegende Verhaltensweise wie das Paarungsverhalten von Wühlmäusen nehmen. Die Forscher erhoffen sich durch diese Erkenntnisse nun neue Einblicke, wie sozial extreme Verhaltensweisen ? beispielsweise Sucht oder Autismus ? zustande kommen können.
ddp/bdw ? Kathrin Lengfellner





