Anstatt nackt bilden sie ihre Samen mit fleischigen Umhüllungen aus: Eine große Gruppe der Pflanzen bringt Gebilde hervor, die man als Früchte bezeichnet. In vielen Fällen sollen die teils farbigen, süßen und nährstoffreichen Strukturen gezielt Tiere anlocken, die sie mitsamt der enthaltenen Samen verzehren. Oft überstehen die harten Kerne die Passage durch das Verdauungssystem und werden keimfähig wieder ausgeschieden. Auf diese Weise sorgen die früchtetragenden Pflanzen also für ihre Verbreitung. Besonders gerne nutzen sie dazu fliegende Boten. So haben sich im Lauf der Evolution viele Pflanzen- und Vogelarten auf die beiderseitig nützliche Beziehung eingestellt. Doch wie und wann fing das an?
“Vögel sind heute wichtige Konsumenten von Früchten und spielen eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Samen, aber bisher gab es keine direkten Hinweise auf den Verzehr von Früchten durch besonders frühe Vertreter. Das erschwert unser Verständnis der Ursprünge dieser wichtigen Pflanzen-Tier-Interaktion”, sagt Han Hu von der Oxford University. Um neue Einblicke in das Thema zu gewinnen, haben sich Hu und ihre Kollegen mit einem Wesen befasst, das in der frühen Kreidezeit im heutigen China lebte und als eines der ursprünglichsten Mitglieder der Gruppe der Vögel gilt: ein rabengroßes Wesen mit gefiederten Flügeln namens Jeholornis.
Dienten Samen oder Fruchtfleisch als Nahrung?
“Bei dem ersten entdeckten Jeholornis-Fossil, wurde der Mageninhalt oberflächlich als Samen identifiziert, sodass man davon ausging, dass sich das Tier von ihnen ernährt hat“, sagt Co-Autorin Jingmai O’Connor vom Field Museum of Natural History in Chicago. Doch dann kam der Verdacht auf, dass Jeholornis nicht nur die Samen, sondern ganze Früchte gegessen haben könnte, wobei nur die Samen erhalten blieben, da sie härter waren. „In dieser Studie sind wir deshalb nun gezielt der Frage nachgegangen, ob sich Jeholornis nur von Samen ernährte oder eher schon von Früchten“, sagt die Wissenschaftlerin.
Das Team untersuchte dazu die zahlreichen weiteren Fossilien, die mittlerweile entdeckt wurden. Die Forscher wählten dabei das Exemplar mit dem am besten erhaltenen Schädel aus und scannte es, um ein detailliertes Modell der Strukturen erstellen zu können. Wie sie berichten, verdeutlichten die Analysen, dass Jeholornis viele Merkmale aufweist, die eher an einen Dinosaurier als an einen modernen Vogel erinnern. Allerdings wies der Schädel einige Merkmale auf, die auf eine mögliche Ernährung durch Früchte hindeuten könnten. Im Vergleich zu anderen Wesen der Zeit besaß Jeholornis eher schwach ausgebildete Zahnstrukturen. Aus Vergleichen der Schädelmerkmale mit denen von heutigen Vogelarten, die Samen mit ihren Schnäbeln aufbrechen, ging zudem hervor, dass Jeholornis wohl nicht zum Samenknacken fähig war.





