Text: Stephanie Eichler
Dennis und David Schäfer sind in der Südpfalz zuhause. Weinberge prägen die Region. Doch die Brüder, 31 und 26 Jahre alt, haben kein Interesse an den Trauben. „Wir stellen zwar Wein her, aber aus Lieblingsfrüchten“, erklärt Dennis Schäfer. Beispielsweise aus Äpfeln, Bananen und Erdbeeren, dem Obst, das wir in Deutschland am meisten essen, wie eine Umfrage des Sinus-Instituts für Markt- und Sozialforschung ergeben hat. Trauben kommen erst auf Platz vier. Insgesamt 70 verschiedene Fruchtweine aus einer oder mehreren Obstsorten haben die Brüder schon produziert, anfangs nur für den Eigenbedarf. Inzwischen betreiben sie die Herstellung im Nebenerwerb und verkaufen vier Favoriten: Himbeere, Kirsche, Ingwer-Citrus sowie Rhabarberwein mit Apfel und Birne. „Unsere Kirsche schmeckt wie ein Cabernet-Sauvignon, aber stärker nach Cassis, fruchtiger eben“, sagt Dennis Schäfer. Mit billigem Weinverschnitt hat das nichts zu tun; eine Flasche à 750 Milliliter kostet immerhin knapp neun Euro.
Von Obstwein, der zu einem Literpreis von zwei bis drei Euro in Discountern angeboten wird, hält der studierte Informatiker wenig: „Dieser Wein schadet dem Image des Getränks. Er besteht oft aus Fruchtsaftkonzentrat und hat viel weniger Aroma als Wein aus frischen Früchten.“ Das allerdings mag Frank Will von der Hochschule Geisenheim nicht gelten lassen. Er schmecke keine Unterschiede, so der Professor für Weinanalytik und Getränkeforschung, der die Leitsätze für die „weinähnlichen Getränke“ im Lebensmittelrecht mit erarbeitet hat. Darunter fallen alle Getränke, die wie Wein hergestellt werden, aber eben nicht aus Trauben. Doch auch für ihn ist das Ausgangsprodukt wichtig. „Der Rohstoff entscheidet über eine gute Qualität, allerdings unabhängig davon, ob die jeweilige Frucht oder eine bereits vorproduzierte Halbware wie Fruchtsaft oder Fruchtsaftkonzentrat verwendet wird“, sagt er.
Fruchtzucker zu Alkohol
Den Geschmack bestimmt in jedem Fall die Menge an Zucker. Obstweine werden wie Traubenweine auch mittels alkoholischer Vergärung hergestellt. Dabei wandeln bestimmte Hefestämme den Fruchtzucker in Alkohol um. Da die meisten Früchte aber längst nicht mit dem Zuckergehalt von Trauben mithalten können, wird bei der Herstellung Zucker zugesetzt. So ist gewährleistet, dass der Obstwein nicht zu trocken gerät und einen Alkoholgehalt von zehn Prozent oder mehr erzielt. Je nachdem, wie viel Zucker nach dem Gärprozess übrigbleibt, schmeckt der Fruchtwein dann mehr oder weniger süß.
Oft zu süß? Deutschland ist zwar Marktführer bei Fruchtwein, doch während wir pro Person und Jahr gut 20 Liter Wein aus Trauben konsumieren, trinken wir nur einen knappen Liter Fruchtwein. „Üblicherweise Kirsch-, Erdbeer-, Johannisbeer-, Heidelbeer- und Brombeerwein“, sagt Klaus Heitlinger, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Fruchtwein- und Fruchtschaumwein-Industrie (VdFw). Eine Sonderstellung bezieht der „Ebbelwoi“, Apfelwein, der in Hessen mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von sechs Litern Kultcharakter hat.





