Das Problem ist nicht neu: Für viele Deutsche gilt noch immer: “Fleisch ist mein Gemüse”. Immerhin 59 Kilogramm Fleisch essen wir im Schnitt pro Jahr – damit hat die Fleischmenge seit 2011 nur um gut drei Kilogramm abgenommen. Summiert auf zehn Jahre vertilgt jeder von uns damit im Mittel ein halbes Rind, fünfeinhalb Schweine und 108 Hühner. Das ist gut doppelt so viel Fleisch, wie Ernährungsexperten für unsere Gesundheit empfehlen.
Tierqual, Gülle und Exporte
Das aber hat Folgen: Um diese enormen Fleischmengen zu produzieren – und das noch dazu möglichst billig, werden Schwein und Co in Massentierhaltung zusammengepfercht, unter industriellen Bedingungen gemästet und geschlachtet. “Qualvoll, umweltschädlich, ungesund und billig – das charakterisiert heute die industrielle Tierproduktion”, sagt Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung. “Das muss sich dringend ändern.”
Bei der industriellen Fleischproduktion bleibt aber nicht nur die artgerechte Tierhaltung und das Tierwohl auf der Strecke, es fällt auch massenhaft Gülle an. Vor allem in Regionen mit intensiver Tierhaltung wie im Nordwesten Deutschlands landet sie meist als Düngerersatz auf dem Acker – und das in viel zu großen Mengen. Als Konsequenz sind Böden und Gewässer mit viel zu hohen Nitratwerten belastet und auch das Klima sowie die Artenvielfalt der Agrarlandschaft sind von der industriellen Fleischproduktion betroffen.
Hinzu kommt: Wir wählerischen Deutschen essen nicht einmal alles, was so ein Tier hergibt. Am liebsten sind uns die guten Filetstücke und anderes Muskelfleisch. Die restlichen Teile dagegen wie der Schweinebauch, Innereien oder knochige Geflügelteile, bleiben übrig. Sie werden nach Asien oder Afrika exportiert – und das kurbelt die heimische Fleischproduktion noch weiter an – zu Lasten unserer Umwelt.
Konkrete Lösungen
Im aktuellen Fleischatlas 2018 geht es darum, wie sich diese Lage ändern lässt. In Grafiken und Texten zeigen Heinrich-Böll-Stiftung, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und Le Monde Diplomatique konkrete Lösungen auf, durch die die Fleischproduktion künftig umwelt- und tierverträglicher werden könnte. Ein ökologischer Wandel in der Tierhaltung sei nur mit neuen politischen Strategien und einem geschärften Bewusstsein bei Verbrauchern möglich, so die Organisationen.
Das Spektrum der im Fleischatlas beschriebenen Lösungen reicht von Altbekanntem bis hin zu Überlegungen dazu, welche positiven oder negativen Auswirkungen beispielsweise Kunstfleisch oder Insekten auf dem Speiseplan haben könnten. “Der Fleischatlas 2018 zeigt konkret für Deutschland praktikable Lösungsstrategien für eine ökologische und global nachhaltige Gestaltung der Fleischproduktion”, so Weiger.





