Stundenlanges Hungern nach chirurgischen Eingriffen an Magen und Darm könnte nicht nur überflüssig sein, sondern den Genesungsprozess sogar verlangsamen. Das berichtet Steven Thomas von der Universität Bristol im British Medical Journal. Die Studie stellt die gegenwärtige Praxis in Frage, frisch operierte Patienten für mindestens 24 Stunden nichts essen zu lassen.
Der Darm ist im Anschluss an eine Operation für mehrere Stunden gelähmt. Essen ist üblicherweise erst dann erlaubt, wenn der Darm seine Tätigkeit wieder aufgenommen hat. Diese Vorsichtsmassnahme soll Übelkeit verhindern und das durch den Eingriff beschädigte Gewebe vor Infektionen schützen. Wie Thomas feststellte, gibt es keine Beweise für diese Theorie. Im Gegenteil gelang es ihm, Daten zusammenzutragen, die darauf hindeuten, dass zeitigere Nahrungsaufnahme die Heilung beschleunigt und den Krankenhausaufhalt verkürzt.
Unterstützung erhält der Forscher von John Primrose, dem Vorsitzenden der Britischen Gesellschaft für Gastroenterologie. In einer Studie, die unter seiner Leitung am Southampton General Hospital durchgeführt wurde, zeigte sich, dass auch Patienten, die frisch an der Leber oder der Bauchspeicheldrüse operiert wurden, ebenfalls nicht hungern müssen. Die Betroffenen, die sich nach solchen Eingriffen häufig auf der Intensivstation befänden, könnten unmittelbar nach der Operation mit einer Schlauchsonde, also enteral, ernährt werden.
Marion Herzog





