Der Aronstab Arum palaestinum benutzt eine clevere chemische Täuschung, um Taufliegen als Bestäuber anzulocken: Er produziert einen Geruchscocktail, der den Duft einer alkoholischen Gärung von Früchten simuliert, haben Forscher vom Max-Planck-Institut für Chemische Ökologie in Jena jetzt entdeckt. Dadurch gaukelt die Pflanze den Insekten vor, sie beherberge in ihrem Inneren Hefepilze, die für eine solche Gärung notwendig sind. Da Hefe zu den wichtigsten Futterquellen der Fliegen gehört, aktiviert der Aronstab damit einen uralten Schaltkreis im Hirn der Tiere, der sie zielstrebig zur vermeintlichen Mahlzeit und damit zur Blüte führt. Einmal dort angekommen, erwartet die Fliegen allerdings keine leckere Hefe-Belohnung. Vielmehr werden sie von der calla-ähnlichen Blüte geschnappt und 24 Stunden lang festgehalten.
Für ihre Studie sammelten und analysierten Johannes Stökl und seine Kollegen vom Max-Planck-Institut für Chemische Ökologie nicht nur die Duftstoffe, die die dunkelviolette Aronstab-Blüte produziert. Sie schauten auch nach, welche Taufliegenspezies der Blume auf den Leim gingen und untersuchten, welche der Duftstoffe die stärkste Reaktion im Fliegenhirn auslösten.
Bis zu 140 Fliegen pro individueller Pflanze zählten die Wissenschaftler, die meisten davon Vertreter von acht Arten. Unter den 14 Duftstoffen, auf die die Fliegen reagierten, waren vor allem zwei von Interesse für die Forscher: Die beiden zu den Estern gehörenden Substanzen kommen normalerweise nicht in Blütenbouquets vor, sondern in Essig – speziell Aceto Balsamico – und Wein. Beides seien Produkte einer Gärung durch Hefe, erläutern die Wissenschaftler, und wohl vor allem deswegen sehr attraktiv für die Fliegen. Diese beiden Duftstoffe produzierten zusammen mit vier anderen, die ebenfalls bei der alkoholischen Gärung entstehen, folgerichtig auch die stärkste und stabilste Reaktion in den Fliegenhirnen.
Messungen an den Nervenzellen im Gehirn der Insekten zeigten zudem, dass die Fliegen den Geruch des Aronstabs nicht von dem verrottender, gärender Früchte unterscheiden können. “Sie werden von dem Aronstab getäuscht, weil der den hefigen Geruch imitiert, ohne tatsächlich Hefe als Futter anzubieten”, fasst Stökl zusammen. Sich einen Aronstab in die Küche zu stellen, um die lästigen Fruchtfliegen loszuwerden, ist trotzdem nur bedingt eine gute Idee, sagt Marcus Stensmyr, der Studienleiter: “Da die Pflanze nur einmal im Jahr blüht und dann auch nur für ein paar Stunden, ist eine Tasse Essig immer noch die bessere Option. Während der Stunden, in denen sie blüht, kann ich Ihnen aber versichern, dass keine Fliegen in Ihrer Küche übrig sein werden!”
Johannes Stökl (Max-Planck-Institut für Chemische Ökologie) et al.: Current Biology, Originalvorabveröffentlichung (doi: 10.1016/j.cub.2010.09.033) dapd/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel





