Die DBU verleiht den Deutschen Umweltpreis jährlich an Personen aus der Wissenschaft, die sich um Nachhaltigkeit und Umwelt verdient gemacht haben, sowie an Unternehmer, die sich der praktischen Umsetzung von Umweltzielen widmen. Überreicht wird der Preis von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, in diesem Jahr am 29. Oktober in Lübeck.
Friederike Otto: Zusammenhang zwischen Klimawandel und Wetter
Die 41-jährige Friederike Otto habe sich als „exzellente Klimawissenschaftlerin mit wegweisenden Forschungsarbeiten um die sogenannte Zuordnungswissenschaft verdient gemacht“, sagte Bonde. Die auch Attributionsforschung genannte Disziplin untersucht, welche Rolle der Klimawandel beim Wetter spielt – zum Beispiel ob es Zusammenhänge zwischen Klimaveränderungen und Extremwetterereignissen wie Hitzewellen, Dürren, Überflutungen und Starkregen gibt. Otto entwickelte das Verfahren der Attribution von extremen Wetterereignissen zum menschengemachten Klimawandel maßgeblich mit. 2015 gründete die gebürtige Kielerin zusammen mit ihrem mittlerweile verstorbenen niederländischen Kollegen Geert Jan van Oldenborgh die Initiative World-Weather-Attribution (WWA). Die Organisation wertet bei Extremwetterereignissen vorhandene Klimamodelle von internationalen Rechenzentren aus und kombiniert die Daten mit momentanen Beobachtungsdaten vor Ort. Schon kurz darauf wird die Öffentlichkeit informiert.
Die Arbeit der Klimaforscherin zeichnen Bonde zufolge drei Faktoren aus: die schnelle Veröffentlichung wissenschaftlicher Erkenntnisse über Zusammenhänge zwischen globalem Klimawandel und regionalem Extremwetter, die Darstellung lokaler Folgen der globalen Klimakrise sowie Vorschläge für wirksame Anpassungsmaßnahmen. „Die Präsentation fundierter Forschung in Echtzeit ist nicht nur bahnbrechend für einen ausgewogenen Diskurs über Klimawandel, Auswirkungen und Gegenmaßnahmen, sondern entzieht auch Falschnachrichten den Boden“, sagte der DBU-Generalsekretär. All das mache die Erderwärmung real und begreifbar. Ein Beispiel dafür ist die im Juli veröffentlichte WWA-Studie, wonach die diesjährigen Hitzewellen in Nordamerika und Südeuropa ohne den menschengemachten Klimawandel nicht möglich gewesen wären. „In vielen Gemeinden und Städten gibt es inzwischen Hitzeaktionspläne“, sagte Otto mit Blick auf die Studie. Angesichts der alternden Gesellschaften und wachsender Ungleichheit gebe es „einen enormen Bedarf, diese Hitzeaktionspläne weiter auszurollen“.
Friederike Otto ist zudem eine zentrale Autorin in den jüngsten Berichten des Weltklimarats (IPCC). Seit 2021 hat die Physikerin und promovierte Philosophin eine Professur am Imperial College London inne. Auf der renommierten Time100-Liste wird sie als eine der einflussreichsten Menschen der Welt geführt. Außerdem kürte das Fachmagazin „Nature“ sie 2021 zu einer der Top Ten der weltweit wichtigsten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.





