Viel interessanter für die Wissenschaftler ist jedoch die ungewöhnliche Sinneskombination Hören und Schmecken. Sie hilft der ausgebildeten Musikerin dabei, Intervalle in Musikstücken zu identifizieren. Um zu testen, wie stark der Einfluss der doppelten Wahrnehmung diese Fähigkeit beeinflusst, führten die Forscher mehrere Tests mit ihrer Probandin durch. So tropften sie der jungen Frau beispielsweise Flüssigkeiten mit verschiedenen Geschmacksrichtungen auf die Zunge und spielten ihr gleichzeitig eins von vier verschiedenen Intervallen vor. Die Probandin sollte dabei möglichst schnell bestimmen, um welches Intervall es sich handelte.
Stimmte der Geschmack der Flüssigkeit mit dem Geschmack überein, den die Frau auch sonst beim Hören des Intervalls wahrnahm, gelang ihr die Identifikation deutlich schneller und besser, berichten die Forscher. Wich der applizierte Geschmack ab, schnitt sie dagegen schlechter ab als Kontrollpersonen ohne besondere Begabung. Umgekehrt funktioniert die Synästhesie dagegen nicht: Die junge Musikerin hört keine Töne, wenn sie einen bestimmten Geschmack wahrnimmt.
Neben der ungewöhnlichen Sinneskombination ist in diesem Fall auch die Tatsache herausragend, dass die zusätzliche Wahrnehmung an eine komplexe geistige Leistung gekoppelt ist, schreiben die Forscher. Interessanterweise rufen dabei angenehm klingende Intervalle wie eine große Terz oder eine Sexte angenehme Geschmacksempfindungen wie süß oder sahnig hervor. Allerdings beeinträchtigt die Fähigkeit buchstäblich den Musikgeschmack der jungen Frau: Sie bevorzugt Kompositionen ohne anspruchsvolle Harmonien, um einer ständigen Sinnesüberreizung aus dem Weg zu gehen. Sehr gerne hört sie beispielsweise Bach, denn der sei “besonders sahnig”.





