Doch warum folgen Nachteulen einem anderen Rhythmus? Inzwischen weiß man, dass die innere Uhr dieser Menschen langsamer tickt als die der Durchschnittsbevölkerung. Ihr Tag hat nicht 24, sondern bisweilen sogar rund 26 Stunden. Der innere Taktgeber der Nachteulen hinkt der natürlichen Zeiteinteilung demnach um bis zu zwei Stunden hinterher. Forscher vermuten schon länger, dass diese chronobiologischen Besonderheiten zumindest zum Teil erblich sein könnten. Nun haben Wissenschaftler um Alina Patke von der Rockefeller University in New York eine Genmutation entdeckt, die für die ungewöhnlichen Schlafenszeiten so mancher Nachteule verantwortlich sein könnte.
Auffällige Mutation im Uhren-Gen
Um möglichen Ursachen des verzögerten Schlafphasensyndroms auf die Schliche zu kommen, verglichen die Forscher das Schlafverhalten einer Betroffenen mit dem einer Person vom normalen Chronotyp. Dafür verbrachten beide Probanden zwei Wochen im Schlaflabor, wo ihnen jeglicher Hinweis auf die aktuelle Tageszeit verwehrt blieb. Stattdessen sollten sie essen und schlafen, wann immer ihnen danach war. Die meisten Menschen folgen auch in einer solchen Umgebung automatisch einem rund 24 Stunden langen Schlaf-Wach-Rhythmus – so auch die Kontrollperson im Experiment. Die Nachteule hingegen blieb wie erwartet nicht nur abends deutlich länger auf, ihr Tag schien auch insgesamt länger zu dauern. Das zeigte sich nicht nur an den Schlafenszeiten: Typische Veränderungen der Körpertemperatur und die Ausschüttung von Schlafhormonen wie Melatonin traten ebenfalls verzögert auf. “Der Melatonin-Spiegel beginnt normalerweise zwischen 20 und 22 Uhr anzusteigen”, sagt Patkes Kollege Michael Young. “Bei unserer Patientin passierte das nicht vor zwei oder drei Uhr nachts.”
Auf der Suche nach einer Erklärung für dieses Phänomen verglichen die Wissenschaftler das Erbgut der beiden Probanden – und stießen dabei auf eine auffällige Punktmutation in einem Gen namens CRY1. Dieses codiert für ein Protein, das für die Aufrechterhaltung der circadianen Rhythmik eine entscheidende Rolle spielt. Während des 24 Stunden-Zyklus unserer inneren Uhr werden bestimmte Gene nach einem vorgeschriebenen Muster an- und ausgeschaltet. Das CRY1-Protein ist normalerweise dafür verantwortlich, manche Gene in bestimmten Phasen des Zyklus zu unterdrücken. Die Mutation führt jedoch dazu, dass ein ungewöhnlich aktives Protein produziert wird, wie Patke und ihre Kollegen berichten. Das Cryptochrome schaltet bestimmte Uhren-Gene deshalb für längere Zeit ab als eigentlich vorgesehen. Die Folge: Der Takt der Uhr schreitet langsamer voran, der Tageszyklus dauert länger.





