Volek und seine Kollegen führten ihre kleine Pilotstudie mit 16 Erwachsenen durch, die an dem sogenannten Metabolischen Syndrom leiden – eine durch Fettleibigkeit ausgelöste Stoffwechselstörung, die auch als Vorstufe des Diabetes mellitus Typ 2 gilt. Für die Untersuchung unterzogen sich die Probanden sechs dreiwöchigen Diäten in Folge. Dabei aßen sie zunächst kohlenhydratreduziert und fettreich. Nach den ersten drei Wochen nahmen sie dann von Diät zu Diät kontinuierlich mehr Kohlenhydrate zu sich, während gleichzeitig ihre Fettzufuhr reduziert wurde. Die Menge der aufgenommen Kalorien sowie der Proteine blieb jeweils gleich. Nach jeder Diätphase analysierten die Wissenschaftler Blutproben der Teilnehmer.
Schädliche Fettsäure im Blut
Sie fanden Erstaunliches heraus: Obwohl der Anteil an gesättigten Fetten in der Ernährung zu Beginn der Studie vergleichsweise hoch war, zeigte sich im Blut kein erhöhter Fettspiegel, ganz im Gegenteil. Bei den meisten Probanden dokumentierten die Forscher sogar eine Abnahme der Blutfette – und das, obwohl manche Teilnehmer zweimal so viele gesättigte Fettsäuren aßen wie sie von Zuhause aus gewohnt waren. Die stetige Erhöhung von Kohlenhydraten und die Reduzierung des Fettanteils im Laufe der Diäten führte hingegen zu einem schrittweisen Anstieg von Palmitoleinsäure, einer ungesättigten Fettsäure, die Experten mit einem erhöhten Risiko für Folgeerkrankungen wie Diabetes assoziieren.
Demnach sind nicht die vielfach beschuldigten gesättigten Fette im Essen der entscheidende Risikofaktor für Erkrankungen wie Diabetes oder Herzleiden – sondern ein Zuviel an Kohlenhydraten. Eine fettreiche Ernährung führt nicht zwangsläufig auch im Blut zu einem erhöhten Anteil schädlicher Fettsäuren, wie die Ergebnisse zeigen. Anders verhält es sich, wenn die Kohlenhydratzufuhr gesteigert wird: eine fettarme, kohlenhydratreiche Diät kann eine kontinuierliche Zunahme bestimmter Fettsäuren im Blut bewirken. Trotz der sehr geringen Probandenzahl ist sich Volek sicher, einen klinisch signifikanten Effekt entdeckt zu haben: „Dass die Palmitoleinsäure so eng mit der Kohlenhydratzufuhr verbunden zu sein scheint, ist ungewöhnlich. Erhöht man die Kohlenhydrate, kann man exakt vorhersagen, wie dieser Marker parallel dazu im Blut ansteigen wird.”
Speichern statt verbrennen
Aber, wie kann das sein? Offensichtlich werden ab einem bestimmten Punkt die Kohlenhydrate nicht mehr direkt als Energielieferant verwertet, sondern als Fett gespeichert. Die richtige Kombination aus einer reduzierten Kohlenhydratzufuhr und fettreicher Nahrung bewirkt im Gegensatz dazu, dass der Körper die aufgenommenen Fette sofort verbrennt. Es kommt also nicht darauf an, wie viel Fett man isst, sondern darauf, wie viel Fett der Körper in Blut, Membranen oder Gewebe zurückbehält. Und das hat viel mit der Kohlenhydratzufuhr zu tun.





