Das Gift von toxischen Algenspezies kann Fische und Meeressäuger töten, sich in Meeresfrüchten einlagern und für Menschen zu wirtschaftlichen und gesundheitlichen Schäden führen. Die vergifteten Fische und Meeresfrüchte sorgen für erhebliche finanzielle Einbußen und von Algenblüten belastete Gewässer locken keine Badetouristen mehr an. Immer wieder gibt es zudem Berichte von Menschen, die durch giftig gewordene Spezialitäten aus den Meeren ernsthaft krank geworden oder sogar gestorben sind. Viele Fachleute gingen bislang davon aus, dass Algenblüten innerhalb der letzten Jahrzehnte häufiger geworden sind, da der Klimawandel die Gewässer aufheizt und so ideale Wachstumsbedingungen schafft. Die meisten Studien, die eine Zunahme sahen, stützten sich dabei allerdings auf lokale Beobachtungen, die sich oft nur um einzelne Spezies drehten.
Mehr Berichte, aber keine generelle Zunahme
Ein Team um Gustaaf Hallegraeff von der University of Tasmania in Australien hat nun die erste globale Analyse schädlicher Algenblüten (Harmful Algal Blooms, HAB) vorgelegt. Dazu analysierten die Forscher über 9.500 Berichte zu Ereignissen, bei denen Algenblüten negative Auswirkungen auf den Menschen hatten. Zudem nutzten sie die Datenbank des Ocean Biodiversity Information System (OBIS), die sieben Millionen Mikroalgenbeobachtungen enthält, darunter fast 300.000 Vorkommen toxischer Algenarten. Um abschätzen zu können, inwieweit sich die Häufigkeit von Algenblüten verändert hat, setzten Hallegraeff und seine Kollegen die Anzahl der jährlichen Berichte in Verhältnis zum Überwachungsaufwand.
„Es gibt die weit verbreitete Behauptung, dass HABs weltweit in ihrer Verbreitung, Häufigkeit oder Intensität zunehmen, daher war eine quantitative globale Bewertung längst überfällig”, sagt Hallegraeff. „Im Vergleich zu früheren Studien zeigt unser neuer Big-Data-Ansatz einen viel nuancierteren Trend. Unsere Studie kommt zu dem Schluss, dass die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Schäden, die durch schädliche Mikroalgen verursacht werden – zum Beispiel Vergiftungen von Meeresfrüchten, Wasserverfärbungen, die den Tourismus beeinträchtigen, und das Sterben von Fischen in Aquakulturbetrieben – von Region zu Region unterschiedlich sind.“ Während schädliche Algenblüten beispielsweise in Süd- und Mittelamerika zugenommen haben, sind sie an der Westküste Amerikas sowie vor Australien und Neuseeland seltener geworden. In Europa, Südostasien und an der Ostküste Amerikas zeigten sich zwischen 1985 und 2018 keine signifikanten Veränderungen.
Bedeutende wirtschaftliche Folgen
Fast die Hälfte der erfassten schädlichen Ereignisse waren Toxine in Meeresfrüchten. Beim Menschen können diese zu Durchfall, Übelkeit, neurologischen Ausfallerscheinungen, Atemproblemen und bis zum Tod führen. In den meisten Fällen verhindert jedoch die Lebensmittelüberwachung, dass kontaminierte Meeresfrüchte auf dem Teller landen. Doch solche Sperren haben gravierende wirtschaftliche Auswirkungen. Seit 1985 ist die Aquakulturproduktion von Meeresfrüchten von jährlich 11,35 Millionen Tonnen auf 178,5 Millionen Tonnen im Jahr 2018 gestiegen. Doch zu Zeiten starker Algenblüten werden oft ganze Muschelerntegebiete geschlossen. Der Gewinn für die Menschen, die davon abhängig sind, fällt weg.





