Das Artensterben ist ein weltweites ökologisches Problem, das rasant voranschreitet. Immer mehr einst häufig vorkommende Tier- und Pflanzenarten kämpfen heute ums Überleben. Unter den Wirbeltieren am stärksten gefährdet ist die Vielfalt der Amphibien, wie bereits eine umfangreiche Bestandsaufnahme aus dem Jahr 2004 eindrücklich zeigte. Der Amphibienschwund ging demnach vor allem auf den Lebensraumverlust, aber auch auf Seuchen zurück, die sich über den Handel mit Amphibien verbreiteten. Besonders Salamander, aber auch Frösche, Kröten und Molche sind durch die tödlichen Krankheiten gefährdet, die seit den 1980er Jahren durch den Chytridpilz (Batrachochytrium dendrobatidis) und seit gut zehn Jahren durch den Salamanderfresser-Pilz (Batrachochytrium salamandrivorans) verursacht werden.
Nun ist eine neue Studie zur Artenvielfalt der Amphibien erschienen. Sie wurde von der Weltnaturschutzunion (IUCN) in Auftrag gegeben, die seit 1963 die internationale Rote Liste gefährdeter Tiere herausgibt. Die über 100 daran beteiligten Wissenschaftler untersuchten und bewerteten in dem Report den aktuellen globalen Gefährdungsstatus im Jahr 2022 und die Gefährdungsursachen von insgesamt 8011 Amphibienarten. Diese Bewertung ergänzt den Wissensstand der ersten globalen Amphibienbewertung von 2004: Sie erfasst 2286 weitere Arten und zeigt die Veränderungen der letzten Jahre auf.

Wie stark sind die Amphibien gefährdet?
Die Wissenschaftler fanden heraus, dass inzwischen zwei von fünf aller Amphibienarten (rund 41 Prozent) vom Aussterben bedroht, stark gefährdet oder gefährdet sind. Zum Vergleich: Bei Säugetieren sind es 27 Prozent, bei Reptilien 21 Prozent und bei Vögeln 13 Prozent. Bei Salamandern sind es sogar drei von fünf Arten. Sie sind damit die am stärksten bedrohte Gruppe innerhalb der Amphibien, gefolgt von den Molchen. Seit 2004 haben zudem verschiedene Faktoren dazu geführt, dass nun mehr als 300 Amphibien noch stärker vom Aussterben bedroht sind als bei der ersten Erhebung.
Die meisten bedrohten Arten leben laut der neuen Studie auf den karibischen Inseln, in Mesoamerika, in den tropischen Anden, in Westkamerun und Ostnigeria, auf Madagaskar, in den westlichen Ghats in Indien und auf Sri Lanka. Seit 2004 nachweislich ausgestorben sind vier Arten: die Chiriquí-Harlekin-Kröte aus Costa Rica, der Spitzschnauzen-Tagfrosch aus Australien, die Froschart Craugastor myllomyllon und der Falsche Jalpa-Bachsalamander aus Guatemala. Insgesamt gelten damit nun 37 Amphibienarten als ausgestorben. Die Bewertung ergab jedoch auch, dass 120 Arten ihren Status auf der Roten Liste seit 1980 verbessert haben, weil ihr Lebensraum geschützt wurde.






