Doch den Überlebenden wurden nun die Spätfolgen des Einschlags zum Verhängnis: Dunkelheit und Kälte. Bereits Anfang dieses Jahres hatten Forscher ermittelt, dass durch den Impakt des Chicxulub-Asteroiden große Mengen schwefelhaltige Schwebstoffe freigesetzt wurde, die sich wie ein Schleier rund um die Erde legten. Allein die abkühlende Wirkung dieser Schwefelaerosole könnte die globalen Temperaturen um mehr als 20 Grad gesenkt haben – die Jahresmitteltemperatur fiel dadurch unter den Gefrierpunkt. Jetzt haben Bardeen und seine Kollegen einen weiteren Akteur dieses Szenarios untersucht: den bei den vielen Bränden freigesetzten Ruß. Untersuchungen in den damals abgelagerten Sedimenten belegen, dass direkt nach dem Einschlag mindestens 15.000 Millionen Tonnen feiner Ruß in die Atmosphäre gelangten – möglicherweise sogar noch viel mehr, wie die Forscher erklären. Welche Folgen dies für das Klima und die Lebenswelt der Erde hatte, haben sie nun in einer Reihe von Modellsimulationen untersucht.
Keine Fotosynthese mehr
Die Simulationen ergaben: Der feine Ruß aus den unzähligen Bränden verteilte sich schnell bis an die Obergrenze der Troposphäre und bildete dort eine dichte Barriere für das Sonnenlicht. “Dadurch wurde es tagsüber so dunkel wie in einer Mondnacht”, berichtet Koautor Owen Toon von der University of Colorado. “Die Reduktion des Sonnenlichts ist dabei aber nicht überall gleich stark: In den Polarregionen wird es weniger stark geschluckt.” Dennoch: Wie die Forscher ermittelten, erreichte wahrscheinlich fast zwei Jahre lang weniger als ein Prozent des Sonnenlichts die Erdoberfläche. Für die Pflanzenwelt ist dies fatal: Die Vegetation an Land, die noch nicht den Bränden zum Opfer gefallen ist, bekommt nicht mehr genügend Licht, um Fotosynthese zu betreiben und geht langsam ein. Als Folge sterben nach und nach auch viele pflanzenfressenden Landtiere an Futtermangel, ihnen folgen nach einer Periode üppiger Aasmahlzeiten die großen Raubtiere. Hinzu kommt, dass die fehlende Sonneneinstrahlung und sinkende Temperaturen auch die Niederschläge verändern: Bis zu sieben Jahre lang könnten 70 bis 80 Prozent weniger Regen und Schnee gefallen sein, wie die Simulation ergab.
Noch gravierender könnte sich die Dunkelheit in den Ozeanen ausgewirkt haben: Das Phytoplankton, das die ersten Folgen des Einschlags noch gut überstanden hat, geht nun ebenfalls an Lichtmangel zugrunde. “Der Anteil der Weltmeere, in denen eine Fotosynthese nach dem Impakt noch möglich gewesen wäre, weil mindestens ein Prozent Sonnenlicht ankam, war bis zu 18 Monate nach dem Einschlag fast gleich Null”, berichten die Wissenschaftler. “Selbst wenn man von einer dreifach geringeren Rußmenge ausgeht, könnte diese Phase rund ein Jahr angehalten haben.” Erst danach klarte der Himmel wieder auf und der Ruß sank relativ zügig zum Erdboden ab. Doch für das Phytoplankton im Ozean war dies zu spät: Sie wären schon nach wenigen Tagen eingegangen. In den Meeren brach damit die Basis der Nahrungsketten zusammen. “Dies führte zu einem Massenaussterben der Organismen, die direkt oder indirekt von der Produktivität der lichtdurchfluteten Zone des Ozeans abhängen”, erklären Bardeen und seine Kollegen.





