Ob in Vogelschwärmen, bei jagenden Löwenrudeln oder futtersuchenden Ameisen: Bei vielen Tierarten hängt das Überleben und der Erfolg der Spezies von der engen Kooperation der einzelnen Individuen ab. Wenn die Tiere beim Beutefang oder der Suche nach Nahrung und geeigneten Habitaten zusammenarbeiten, profitieren sie selbst, aber auch ihre Artgenossen. Doch auch zwischen verschiedenen Arten gibt es Formen der Kooperation und Symbiose, wie etwa bei Einsiedlerkrebsen und Seeanemonen oder Korallen und ihren Algen. Deutlich seltener sind solche artübergreifenden Kooperationen allerdings bei Raubtieren, die an der Spitze ihrer Nahrungsnetze stehen. Ihre Beziehung ist meist von der Konkurrenz um Beute geprägt – dies gilt auch für uns Menschen und unser Verhältnis zu anderen großen Fleischfressern im Tierreich.
Mensch und Delfin fischen gemeinsam
Doch es gibt Ausnahmen. Denn unter bestimmten Umständen hat sich auch zwischen Menschen und um die gleiche Nahrung konkurrierenden Tieren eine Zusammenarbeit entwickelt. Ein solches Beispiel haben nun Biologen um Mauricio Cantor vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Radolfzell und dem Marine Mammal Institute der Oregon State University näher untersucht. An der Küste von Laguna im Süden Brasiliens praktizieren Netzfischer schon seit mehr als 140 Jahren eine enge Kooperation mit den dort lebenden Großen Tümmlern (Tursiops truncatus). Beide fangen dort vor allem Meeräschen (Mugil liza), eine in tropischen und subtropischen Gewässern häufige Fischart. Die Fischer warten im flachen Wasser stehend auf das Auftauchen der Delfine. “Es war bekannt, dass die Fischer das Verhalten der Delfine beobachten, um festzustellen, wann sie ihre Netze auswerfen sollten”, erklärt Cantor. Das verschafft den Fischern in der Regel einen üppigeren Fang.
Unklar war jedoch bisher, wie sich Mensch und Meeressäuger bei dieser Zusammenarbeit synchronisieren, ob auch die Delfine ihr Verhalten an die Fischer anpassen und ob sie von der Kooperation ebenfalls profitieren. Um das herauszufinden, haben Cantor und sein Team das Verhalten der Fischer und Großen Tümmler über 15 Jahre hinweg untersucht. Dabei beobachteten und befragten sie die Fischer und verfolgten mithilfe von Drohnen, Mikrophonen und Unterwasseraufnahmen das Verhalten und die Reaktionen der Delfine. Zusätzlich nutzten sie Sonargeräte, um auch die Meeräschen zu überwachen. Auf diese Weise gelang es dem Team, die Details dieser ungewöhnlichen Mensch-Delfin-Zusammenarbeit zu ergründen.





