Zungen-Piercing wird immer populärer. Piercing-Willige sollten sich die Sache aber gut überlegen: Amerikanische Forscher berichten über einen Fall, bei dem Zungen-Piercing einen Hirnabszess verursachte.
Bei einer 22-jährigen Frau schwoll die Zunge zwei bis drei Tage nach dem Piercing an, und es bildete sich Eiter um die betroffene Stelle. Nach Auftreten dieser Symptome entfernte die Frau ihren Zungenschmuck, worauf sich die Symptome zunächst besserten.
Vier Wochen später stellten sich bei der Patientin Kopfschmerzen, Fieber, Übelkeit mit Erbrechen sowie Benommenheit ein. Sie konnte nur noch schwankend gehen, wie Richard A. Martinello und Elisabeth Cooney von der Yale University School of Medicine in New Haven, im US-Bundesstaat Connecticut berichten.
Die Diagnose mit einem bildgebenden Verfahren zeigte, dass sich bei der Frau ein Hirnabszess gebildet hatte. In der abgeleiteten Abszess-Flüssigkeit fanden die Ärzte typische Mundbakterien, wie zum Beispiel bestimmte Streptokokken. Vor allem aus dem diagnostizierten Bakterienspektrum folgern die Wissenschaftler, dass das Zungen-Piercing mit hoher Wahrscheinlichkeit die Ursache für den Hirnabszess gewesen sein muss. Nach sechswöchiger Antibiotika-Therapie erholte sich die Patientin wieder vollständig.
Andere Forscher berichten über Abszesse im Brustraum und Infektionen des Herzmuskels nach einem Piercing. Martinello und Cooney gehen davon aus, dass die Anzahl der Infektionen mit der steigenden Zahl von Piercing-Begeisterten wachsen wird. Die Wissenschaftler raten dringend dazu, beim Auftreten von Krankheitssymptomen nach erfolgtem Piercing einen Arzt aufzusuchen.
Dr. Sebastian Messerschmid





