Jeder hat das Problem schon einmal mit eigenen Augen wahrgenommen, denn die hässliche Signatur der menschlichen Zivilisation wird vielerorts sichtbar: Müll liegt herum oder dümpelt an den Ufern der Gewässer. Besonders problematisch sind dabei die Kunststoffmaterialien aus Verpackungen, Tüten und Co, da sie nur zerfallen, aber nicht mehr aus der Natur verschwinden. Neben den größeren Stücken wimmelt es in Böden und vor allem in den Meeren von diesem sogenannten Mikroplastik. Diese Partikel schädigen die Ökosysteme und letztendlich auch den Menschen, geht aus Studien hervor. Das gesamte Ausmaß der Bedrohung durch die Plastikverschmutzung lässt sich bisher nur erahnen, sagen Experten.
Doch welche Faktoren spielen eine Rolle bei der globalen Verbreitung von Plastikmüll in der Umwelt, wie sieht die zukünftige Entwicklung aus und an welchen Stellen könnte man den Hebel ansetzten? Diesen Fragen ist nun ein internationales Team aus 17 Experten nachgegangen. Sie haben gezielt Informationen zu den Einträgen, den Ursachen und Abläufen gesammelt und ausgewertet. Anhand der Daten entwickelten sie ein Computermodell, um die Bestände und Flüsse von Plastikabfällen auf der ganzen Welt zu verfolgen und die zukünftige Entwicklung abzuschätzen.
Es wird immer schlimmer!
Aus ihren Berechnungen geht hervor: Wenn keine Maßnahmen erfolgen, werden im Zeitraum von 2016 bis 2040 insgesamt 1,3 Milliarden Tonnen Plastik in der terrestrischen und marinen Umwelt landen. Für die empfindlichen Ökosysteme der Meere gelten die Belastungen dabei als besonders kritisch. Hält der derzeitige Trend an, wird die Menge des Kunststoffs, die jedes Jahr in die Ozeane gelangt, in den nächsten 20 Jahren von 11 Millionen Tonnen auf 29 Millionen Tonnen ansteigen.
Da Plastik kaum biologisch abgebaut wird, könnte die Menge in den Meeren bis 2040 insgesamt um 600 Millionen Tonnen steigen – das entspricht dem Gewicht von mehr als drei Millionen Blauwalen. “Die Studie ermöglicht erstmals einen umfassenden Einblick in die schwindelerregenden Mengen von Kunststoffabfällen, die in den terrestrischen und aquatischen Ökosystemen der Welt landen. Wir haben jetzt zudem ein viel klareres Bild von den Quellen der Verschmutzung“, sagt Co-Autor Costas Velis von der University of Leeds.
Wie die Forscher berichten, ist das Grundproblem: Rund 95 Prozent der Kunststoffverpackungen werden nur einmal verwendet, bevor sie zu Abfall werden. Als wichtigste Ursache der Verbreitung des Mülls in der Umwelt identifizierten die Forscher die mangelnde Entsorgung von Siedlungsmüll in den eher ärmeren Regionen der Welt. Demnach wird momentan etwa ein Viertel des gesamten Kunststoffabfalls nicht gesammelt, so dass es dem Einzelnen überlassen bleibt, ihn selbst loszuwerden – mit fatalen Folgen. Der „wild“ deponierte Müll verbreitet sich anschließend in der Umwelt und landet dann schließlich auch im Meer. Ohne Gegenmaßnahmen wird sich dieses Problem aufgrund der demografischen Entwicklungen auf der Welt noch deutlich verschlimmern, warnen die Forscher: Bis 2040 könnte ein Drittel aller anfallenden Kunststoffabfälle nicht gesammelt werden.





