Auf der Suche nach Krebsgenen haben kanadische Wissenschaftler eine genetisch veränderte Maus erzeugt, die nicht dick wird. Statt Fett zu speichern, bauen die Tiere verstärkt energiereiches Fett ab, wobei Wärme erzeugt wird. Die Zufallsentdeckung der Krebsforscher von der McGill University in Montreal könnte helfen, neue Wirkstoffe zur Behandlung der Fettsucht (Adipositas) zu entwickeln. Die Arbeit erscheint in der Oktoberausgabe des Fachblatts Nature Medicine.
Die Wissenschaftler um Nahum Sonenberg gingen der Frage nach, ob das Eiweiß 4E an der Entstehung von Krebs beteiligt ist. 4E spielt bei der Regulation der Proteinsynthese eine Rolle und wird von einem 4E-bindenden Protein (4E-BP1) gehemmt. Gentechnisch erzeugte “Knock-out-Mäuse”, denen das 4E-BP1-Gen fehlte, bildeten vermehrt Protein 4E. Die Rate der Tumorbildung erhöhte sich entgegen den Erwartungen jedoch nicht. Die Tiere besaßen stattdessen 50 Prozent weniger Körperfett als die Ausgangsform und zeigten eine um 15 Prozent erhöhte Stoffwechselrate. “Selbst wenn sie gar nichts taten, verbrauchten sie einfach mehr Energie”, sagt Mitarbeiter Francis Poulin.
Eine genauere Untersuchung ergab, dass sich das Fettgewebe der Gen-Mäuse verändert hatte. Fett wird normalerweise im so genannten “weißen Fettgewebe” gespeichert. Im “braunen Fettgewebe” dagegen wird es zur Erzeugung von Wärme über den Stoffwechsel verbrannt. “Indem wir das 4E-BP1 ausschalteten, begann das weiße Fettgewebe seine Vorräte zu verbrennen, anstatt sie weiter zu speichern”, sagt Poulin. Dass eine generelle Störung der Proteinsynthese sich derart spezifisch auf den Fettstoffwechsel auswirkt, hatte niemand erwartet.
“Wir hoffen, etwas Nützliches daraus machen zu können”, sagt Poulin. Die Übertragung von Forschungsergebnissen von der Maus auf den Menschen funktioniere allerdings nicht immer. Für eine Therapie der Fettleibigkeit müsste ein Wirkstoff gefunden werden, der das Protein 4E-BP1 blockiert. Die Entwicklung eines entsprechenden Medikaments, so Poulin, würde noch mehrere Jahre dauern.
Joachim Czichos





